Soldaten nach dem Angriff auf das Militärlager in Balch | Bildquelle: dpa

Afghanistan Mehr als 140 Tote bei Taliban-Angriff

Stand: 22.04.2017 16:01 Uhr

Die radikalislamischen Taliban haben bei einem Angriff auf eine Militärbasis in Afghanistan mindestens 140 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt. In der Kaserne arbeiten auch deutsche Soldaten.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Dehli

Der Angriff erfolgte während des Freitagsgebets. Doch erst am Morgen nach dem ungewöhnlich schweren Taliban-Angriff auf die Kaserne des 209. Armeekorps in Masar-i-Sharif wurde nach und nach das gesamte Ausmaß deutlich.

Zwar war das Gelände weiter abgeriegelt, und die Armee hielt an ihrer Nachrichtensperre weitgehend fest. Doch verletzte Soldaten berichteten in den Krankenhäusern von den Kämpfen in ihrem Stützpunkt. Einer sagte, er habe überhaupt nicht mehr gewusst, wie er reagieren sollte. Überall habe es Explosionen gegeben. Andere betonten, die Taliban hätten in der Kaserne Hilfe von vermeintlichen Soldaten erhalten. Und ein Mitglied des Provinzrates sagte: "Ich muss leider verkünden, dass die Zahl der Opfer wesentlich höher ist als bisher bekannt. Wir haben bisher sehr viele Tote gezählt, es könnten bis zu 150 werden."

140 Tote nach Taliban-Angriff in Afghanistan
tagesschau 20:00 Uhr, 22.04.2017, Markus Spieker, ARD Neu-Delhi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Stundenlange Schusswechsel

Mindestens zehn Taliban-Kämpfer hatten die Kaserne in Fahrzeugen der Armee angesteuert. Sie trugen Armeeuniformen und hatten offenbar gefälschte Ausweise dabei. Ein Sprecher der Extremisten sagte, vier der Angreifer hätten selbst im 209. Korps gedient. Deshalb kannten sie die Kaserne sehr gut.

So gelang es den Kämpfern, nicht nur die Sicherheitskontrollen zu durchbrechen, sondern auch gezielt Kantine und Moschee anzusteuern - die beiden Orte, an denen besonders viele Soldaten versammelt waren. Die anschließenden Schusswechsel dauerten zehn Stunden. Offenbar feuerten die afghanischen Soldaten in Panik zurück, ohne Rücksicht auf eigene Verluste.

"Es gab zunächst mehrere Explosionen, als ob Granatwerfer im Einsatz waren", berichtet ein Anwohner aus Masar-i-Scharif. "Dann begannen die Schießereien und dauerten sehr lange an." Dies war demnach bis in die Nacht zu hören. Ob alle Angreifer tot sind oder einige flüchten konnten, ist bisher unklar. Angeblich wurde ein Mann festgenommen.

Karte: Afghanistan mit Masar-i-Scharif
galerie

Masar-i-Scharif liegt im Norden Afghanistans.

Nicht weit entfernt: der Bundeswehr-Stützpunkt

Die Taliban übernahmen die Verantwortung für die Tat: Sie hätten Rache nehmen wollen für einen US-Luftangriff, bei dem einer ihrer Kommandeure getötet worden sei. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani reiste nach Masar-i-Sharif, um sich vor Ort ein Bild zu machen und Verwundeten zu besuchen. Er sprach von einer feigen Tat, begangen von Ungläubigen, die selbst in einer Moschee gemordet hätten.

Im Camp Shahin arbeiten auch deutsche Soldaten. Sie beraten dort ihre afghanischen Kollegen und unterhalten in der Kaserne einen kleinen Bereich, den sie "sicheren Hafen" nennen und der von dem afghanischen Teil des Camps abgetrennt ist. Dieser kleine Stützpunkt ist schwer bewacht und mit Soldaten der internationalen Einheiten besetzt. Nach bisherigen Informationen waren Bundeswehr-Angehörige nicht in die Kämpfe verwickelt. Allerdings hat sich die Bundeswehr noch nicht zu Details geäußert.

Einige Kilometer vom Camp Shahin entfernt befindet sich das größte deutsche Feldlager in Afghanistan, mehr als 800 Bundeswehr-Soldaten sind hier stationiert. Masar-i-Scharif liegt im Norden Afghanistans. Die Gegend galt lange als vergleichsweise ruhig und wurde von der Bundesregierung immer wieder als Beispiel für vermeintlich sichere Gebiete in dem kriegsgeplagten Land genannt. Im November hatten Extremisten das deutsche Generalkonsulat im Stadtzentrum von Masar-i-Scharif angegriffen. Das Gebäude wurde schwer beschädigt. Unter anderem mussten deutsche Spezialeinheiten ausrücken, um die eingeschlossenen Beamten zu befreien.

Taliban auf dem Vormarsch

Den Taliban gelingt es zudem immer wieder, Kämpfer in Polizei und Armee einzuschleusen und so Anschläge durchzuführen. Anfang März stürmte eine Gruppe als Ärzte verkleiderter Extremisten das Militärkrankenhaus in Kabul. Bei dem Angriff starben 49 Menschen. In mehreren Provinzen Afghanistans sind die Taliban auf dem Vormarsch. Zuletzt gelang es ihnen, einen strategisch wichtigen Distrikt in Helmand in Südafghanistan zu überrennen. Der Kommandeur der internationalen Streitkräfte, General Nicholson, fordert deshalb, wieder mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken.

Schwerer Angriff auf Militärkaserne
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
22.04.2017 07:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. April 2017 um 21:45 Uhr und NDR Info am 22. April 2017 um 06:45 Uhr.

Darstellung: