Pakistans Armeechef Raheel Sharif will sich in Kabul um neue Friedensgespräche zwischen Afghanistan und den Taliban bemühen. | Bildquelle: dpa

Pakistans Armeechef reist nach Afghanistan Neue Friedensgespräche mit den Taliban?

Stand: 27.12.2015 12:59 Uhr

Der Ruf nach Friedensgesprächen zwischen afghanischer Regierung und den Taliban wird seit Monaten laut, doch immer wieder scheiterten Verhandlungsversuche. Nun ist Pakistans Heereschef Sharif nach Afghanistan gereist, um einen neuen Versuch voranzutreiben.

Die Friedensgespräche zwischen Afghanistans Regierung und den Taliban in dem Land sind ein Drahtseilakt. In den vergangenen Monaten waren Verhandlungen durch Anschläge der Aufständischen geplatzt, gegenseitige Vorwürfe zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan hatten neue Anläufe blockiert.

Nun will sich der pakistanische Armeechef Raheel Sharif um einen weiteren Versuch der Gesprächsaufnahme bemühen und ist dafür in die afghanische Hauptstadt Kabul gereist. Dort will er mit Afghanistans Präsidenten Aschraf Ghani und dem Verteidigungsminister des Landes, Massum Staneksai, zusammenkommen. Bereits Anfang Dezember hatten sich die Regierungen der Nachbarstaaten auf neue Verhandlungen mit den Taliban geeinigt.

Neben den Friedensgesprächen soll laut pakistanischem Außenministerium aber auch eine mögliche militärische Kooperation zwischen Pakistan und Afghanistan diskutiert werden, um gemeinsam gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorzugehen. Zudem solle über bessere Kontrollen der Grenzen beider Länder sowie einen intensiveren Austausch zwischen den Geheimdiensten beraten werden. Die Taliban und weitere militante Gruppen nutzen unzugängliche und nicht vollständig kontrollierte Grenzgebiete als Zufluchtsorte.

Spannungen zwischen Pakistan und Afghanistan

Die Forderung nach Verhandlungen wurde in den vergangenen Monaten von verschiedenen Seiten laut. So hatte etwa Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei einem Afghanistanbesuch im August für Friedensgespräche mit den Taliban geworben. Zuvor war eine erste Verhandlungsrunde im Juli durch die Nachricht vom Tod des Talibanführers Mullah Omar gescheitert. Die Taliban reagierten mit neuen Anschlägen, die Dutzende Todesopfer forderten.

Aber auch die angespannte Lage zwischen Pakistan und Afghanistan hatte die Aufnahme von neuen Gesprächen zusätzlich erschwert. Wiederholt hatte Afghanistan seinem Nachbarland vorgeworfen, nicht gegen die radikal-islamistischen Taliban-Kämpfer vorzugehen, sondern die Aufständischen im Gegenteil sogar zu unterstützen.

Taliban erobern weitere Gebiete

Derzeit versucht Afghanistan vor allem in der Provinz Helmland im Süden des Landes verstärkt gegen die Taliban vorzugehen, die ihren Einfluss dort immer weiter ausbauen können. Zuletzt hatten sie in dieser Woche den Bezirk Sangin unter ihre Kontrolle bringen können. Rund 18.000 Streitkräfte wurden daher nach Armeeangaben in das Gebiet geschickt. Laut den Taliban befinden sich rund 5000 ihrer Kämpfer in der Region. Auch in anderen Gebieten Afghanistans sind die Taliban seit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes Ende 2014 wieder erstarkt.

Auch der "Islamische Staat" liefert sich in Afghanistan Kämpfe mit Regierungstruppen und verfeindeten Milizen. In der östlichen Grenzprovinz Nangarhar sollen Anhänger der Terrormiliz vier Mitglieder einer aus ihrer Sicht feindlichen Miliz als Geiseln genommen und geköpft haben, teilte der Gouverneur des Bezirks Achin, Ghalib Mudschahid, mit. Aus Rache habe dann die Miliz im Gegenzug vier gefangen genommene IS-Kämpfer enthauptet.

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