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Afghanische TV-Sender zeigen deutsche Bundesliga
"Ballack ist ein Name, der hier sehr bekannt ist"
Viele Menschen in Afghanistan lieben Fußball: Nach Jahrzehnten des Krieges haben sie endlich eine eigene Liga und verfolgen im Fernsehen die Weltmeisterschaften. Nun bekommen sie auch die Bundesliga zu sehen. Zwei TV-Sender wurden sich mit der Deutschen Fußball-Liga über die Rechte einig.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
"Die deutsche Bundesliga steht vor der Tür. Wer gewinnt in diesem Jahr den Titel?" Mit Werbespots wie diesen machen zwei afghanische Fernsehsender seit Tagen ihren Landsleuten einen der wichtigsten Sport-Importe in der jüngeren Geschichte des Landes schmackhaft.
Dabei wäre allzu viel Werbung gar nicht nötig: "Gucken Sie sich die Weltmeisterschaft an. Da ist Deutschland eines der wichtigsten Teams - und die Afghanen lieben die WM, jeder guckt sich das an", erklärt Masud Sandscher, der Sendedirektor der afghanischen Moby-Gruppe. "Also kennen die Menschen Deutschland und die Spieler dort. Ballack ist ein Name, der hier sehr bekannt ist. Insofern wissen sie, wie professionell und gut deutscher Fußball ist."
Bundesliga auf Dari und Paschtu
Auf gleich zwei Sendern der Moby-Gruppe wird die Rückrunde der Bundesliga nun ausgestrahlt. Live und unverschlüsselt. Einer der Kanäle sendet in Dari, der andere auf Paschtu, den beiden Amtssprachen des Landes. "Wir geben natürlich keine finanziellen Details unseres Abkommens preis. Aber Sie können sicher sein: Wir haben die Rechte. Wir senden hier nichts illegal."
Deutsche Fußball-Bundesliga wird erstmals im afghanischen Fernsehen gezeigt
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
17.01.2013 13:50 Uhr
Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bestätigte auf Nachfrage, dass man sich mit den Afghanen handelseinig geworden sei. Nun ist Wirtschaftsexperten zufolge das kriegsgeplagte Afghanistan gerade dabei, sich überhaupt erst auf den Status eines Entwicklungslandes hochzuarbeiten. Und die Bundesliga-Rechte sind keine billige Ware. Man habe, heißt es dazu von Seiten der DFL, eine Übereinkunft gefunden, die den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angemessen sei.
Afghanische Liga per Casting zusammengestellt
Das Stadion in Kabul war ausverkauft, als im Oktober das Finale der Afghan Premier League stattfand. Nach Jahrzehnten unaufhörlichen Krieges hatte das Land endlich eine eigene Liga. Dieselbe Sendergruppe, die nun Bundesliga-Fußball zeigt, hatte damals in einer Castingshow Spieler für die Mannschaften aus dem ganzen Land trainieren und dann von den Zuschauern auswählen lassen.
"Es liegt in unserer Verantwortung, den Sport beliebter zu machen", so Sandscher. "Sport ist ein wichtiges Werkzeug, um die Menschen zusammenzubringen. Die Afghan Premier League hat das gezeigt: Spieler einer Mannschaft konnten aus unterschiedlichsten Landesteilen stammen und verschiedene Sprachen sprechen: Paschtunen, Hazara, Usbeken - alle kamen zusammen, um in einem Team zu spielen. Sport ist wichtig, um die Menschen einander näher zu bringen."
Und so soll nun soll also auch die Bundesliga dazu beitragen, den Menschen ein bisschen Ablenkung vom oft harten afghanischen Alltag zu bescheren.
Stand: 17.01.2013 11:49 Uhr
