Nach einem Bombenanschlag untersuchen Afghanische Sicherheitskräfte in der Provinz Helmand den Anschlagsort. | Bildquelle: AFP

Provinz Helmand Erneut viele Tote bei Anschlag in Afghanistan

Stand: 22.06.2017 13:59 Uhr

Erneut hat ein Anschlag Afghanistan getroffen: In der Provinz Helmand riss ein Selbstmordattentäter viele Menschen mit in den Tod. Die Lage im Land hat sich zuletzt dramatisch verschlechtert - das belegt ein Bericht des UN-Sonderbeauftragten.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Es ist der letzte in einer Reihe von schweren Anschlägen in Afghanistan in jüngster Zeit: Bei einem Selbstmordattentat in der südlichen Provinz Helmand sind erneut mindestens 36 Menschen getötet und 59 Menschen verletzt worden. Behördenangaben zufolge hat sich der Attentäter in seinem Auto in die Luft gesprengt. Ziel des Anschlags waren offenbar afghanische Soldaten, die vor einer Bank in der einer Warteschlange standen, hieß es.

Neben den Anschlägen kommt es in dem Land immer wieder zu Entführungen von Ausländern. Afghanische Streitkräfte liefern sich zudem ständig Gefechte mit den Taliban oder den Milizen des Islamischen Staates. Insgesamt hat sich die Lage in Afghanistan in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert.

Zu diesem Schluss kommt der UN-Sonderbeauftragte Tadamichi Yamamoto in seinem Bericht an den UN-Sicherheitsrat. Hauptgründe seien die Korruption und die politischen Spannungen innerhalb der afghanischen Regierung. "Afghanistan hat eine ganze Reihe von internen Problemen, und zwar neben dem Kampf gegen bewaffnete Milizen, die immer mehr Regionen unter ihre Kontrolle bringen." Tausende Flüchtlinge, die jeden Tag nach Afghanistan zurück kämen, könnten nur schwer integriert werden, weil sich die Wirtschaft seit 2014 nur schwer erhole. Dabei spiele auch Korruption eine große Rolle, so Yamamoto.

Weltweit höchste Konzentration von Terrorgruppen

Der UN-Sonderbeauftragte rief die afghanische Regierung dazu auf, alles zu tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu stärken und für politische Stabilität zu sorgen. Insbesondere im Bereich der öffentlichen Sicherheit müsse man davon ausgehen, dass sich die Lage weiter verschlechtert: "Die Korruption untergräbt die Glaubwürdigkeit des Staates. Sie verhindert eine echte wirtschaftliche Entwicklung und sie ist auch für viele Menschenrechtsverstöße und die damit verbundene Straflosigkeit verantwortlich."

Die jüngste Ankündigung der US-Regierung, weitere Soldaten nach Afghanistan zu entsenden, hat zu großen Spannungen innerhalb der afghanischen Einheitsregierung geführt. Dabei nahmen die Kämpfe in weiten Teilen des Landes deutlich zu - vor allem im Süden, in der Provinz Helmand, im Osten, in der Provinz Nangahar und im Norden, rund um Kunduz, wo einst die Bundeswehr ihren Stützpunkt hatte.

Afghanistan werde nicht nur von den Taliban bedroht, heißt es im Bericht, sondern von bis zu 20 terroristischen Organisationen. Das sei die höchste Konzentration von Terrorgruppen in der Welt. Deren kontinuierliche Angriffe im ganzen Land hätten das Vertrauen der Bevölkerung in die afghanische Regierung weiter geschwächt.

Entführungen von Ausländern als lukratives Geschäft

Der UN-Botschafter Afghanistans, Mahmoud Saikal, sagte, seine Regierung tue alles, um die Probleme in den Griff zu bekommen: "Die afghanische Einheitsregierung ist dabei, einen nationalen Dialog zu starten, um einen Konsens in den wichtigsten Fragen herzustellen. Wir glauben, gute Regierungsarbeit kann nur in einem Umfeld funktionieren, das frei ist von partikulären ethnischen oder sprachlichen Interessen."

Unterdessen haben die afghanischen Taliban erneut ein Video von zwei entführten Hochschullehrern aus den USA und Australien veröffentlicht. Die Männer hatten an der American University of Afghanistan in Kabul gelehrt und waren dort im August vergangenen Jahres entführt worden. Bei einem Befreiungsversuch der US-Truppen konnten sie nicht gefunden werden.

Das Bundeskriminalamt BKA hatte vor einigen Wochen davor gewarnt, dass sich in Afghanistan die Entführung von Ausländern zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt habe.

Vereinte Nationen stufen Lage in Afghanistan als sehr gefährlich ein
Musch-Borowska, NDR, zzt. Neu Delhi
22.06.2017 15:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2017 um 14:00 Uhr.

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