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Umstrittener Regierungschef Meles Zenawi
Äthiopiens starker Mann ist tot
Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi ist tot. Der 57-Jährige sei am Montagabend in einem Krankenhaus im Ausland gestorben, erklärte Regierungssprecher Bereket Simon in Addis Abeba.
Über den Gesundheitszustand des Mannes, der in seinem Land meist nur Meles genannt wurde, hatte es zuletzt Spekulationen gegeben. Mitte Juli erklärte die Regierung, Meles sei nach einer medizinischen Behandlung in guter Verfassung. In diplomatischen Kreisen hatte es geheißen, er sei in Brüssel behandelt worden, in anderen Kreisen war von einer Behandlung in Deutschland die Rede.
Äthiopiens Premier Meles Zenawi gestorben
L. Staude, ARD Nairobi
21.08.2012 13:04 Uhr
Unterdrückung von politischen Gegnern und der Meinungsfreiheit
Das Amt wird zunächst Vizepremiere Hailemariam Desalegn übernehmen. "Er wird vor das Parlament treten und den Amtseid ablegen", erkäuterte Simon am Dienstag. "Die Regierung sorgt dafür, dass das Parlament so schnell wie möglich zusammengerufen wird."
Meles war 1995 an die Macht gekommen. 2010 gewann sein Parteienbündnis die vergangenen Parlamentswahlen. Einst galt er als demokratische Hoffnung. Er übernahm das Land in einer Zeit, in der Äthiopien immer noch das Synonym für Hungerkatastrophen in Afrika war. Der Westen lobt ihn vor allem für einen soliden wirtschaftlichen Wachstumskurs und die Armutsbekämpfung.
In den vergangenen Jahren häuften sich dann die Berichte über Menschenrechtsverletzungen. Aktivisten warfen ihm die Unterdrückung von Gegnern und der Meinungsfreiheit vor. Erst kürzlich waren der prominente Journalist Eskinder Nega und zahlreiche Oppositionspolitiker zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden, weil sie die umstrittenen nationalen Vorschriften zur Terrorismus-Bekämpfung verletzt haben sollen. Viele Oppositionelle sind ins Exil gegangen.
Äthiopischer Premierminister Zenawi gestorben
tagesschau 12:00 Uhr, 21.08.2012, Peter Schreiber, ARD Nairobi
Verlässlicher Partner im Kampf gegen islamistischen Terror
Äthiopien ist der wichtigste Verbündete der USA am Horn von Afrika. Zu den Nachbarn des Landes gehören Unruhe-Staaten wie Somalia und der Sudan. Äthiopien stand in dem Ruf, ein verlässlicher Partner im Kampf gegen den islamistischen Terror zu sein. Das christlich-orthodox geprägte Land wurde unter Meles Führung zu einer Insel der Stabilität in der Region.
1955 als Legesse Zenawi in der Provinz Tigray im Norden Äthiopiens geboren, nahm er später den Namen Meles an, zu Ehren eines während des Widerstandskampfes getöteten Mitkämpfers. Er studierte in Addis Abeba und an internationalen Universitäten in Großbritannien und den Niederlanden. Bereits während seiner Universitätsjahre wurde Zenawi politisch aktiv.
Nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie und der Errichtung der kommunistischen Diktatur von Mengistu Haile Mariam - die als "roter Terror" in die Geschichte des Landes einging - schloss sich Zenawi der neu gegründeten Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) an. Mit Hilfe der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) des damals zu Äthiopien gehörenden Eritrea gelang der Oppositionsbewegung 1991 der Sturz des seit 14 Jahren wütenden Mengistu-Regimes.
Grenzkrieg mit Eritrea
Bei den Wahlen 1995 wurde Zenawi zum Regierungschef gewählt. Die Wahlergebnisse waren dabei häufig umstritten, im Jahr 2005 kam es zu blutigen Tumulten mit über 200 Toten und zahlreichen Festnahmen Oppositioneller.
Von 1998 bis 2000 zog das Land unter Zenawis Führung in einen Grenzkrieg gegen das mittlerweile abgespaltene Eritrea, bei dem fast 100 000 Menschen ums Leben kamen.
Doch Äthiopien hat unter Zenawi auch einen nie dagewesenen Aufschwung erlebt. Straßenbau-, Bildungs- und Gesundheitsprojekte wurden zielstrebig vorangetrieben, zeitweise war das Wirtschaftswachstum des Landes das höchste aller nicht ölexportierenden Staaten in Subsahara-Afrika. Gleichzeitig belegt Äthiopien auf dem Entwicklungsindex weiterhin einen der untersten Plätze. Zenawi hatte zuletzt angekündigt, 2015 nicht erneut für das Amt des Premierministers kandidieren zu wollen.
Stand: 21.08.2012 10:20 Uhr
