Karte: Äthiopien mit Addis Abeba

Regierungskritische Demonstranten Dutzende Tote bei Protesten in Äthiopien

Stand: 09.08.2016 10:45 Uhr

In Äthiopien sind in den vergangenen Tagen bei regierungskritischen Protesten Dutzende Menschen getötet worden. Amnesty International spricht von 97 Toten. Die Gewalt erreichte auch die Hauptstadt Addis Abeba. Äthiopiens Regierung gilt als eine der repressivsten in Afrika.

Beim gewaltsamen Vorgehen von Sicherheitskräften gegen regierungskritische Demonstranten sind in Äthiopien am Wochenende Dutzende Menschen getötet worden. Es gebe Berichte über 48 bis 50 Todesopfer in der Region Oromia, sagte ein Oppositionsvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Brutale Reaktion der Regierung

Ein Diplomat sprach von 49 Todesopfern in Oromia im westlichen Zentrum des Landes sowie in Amhara im Norden Äthiopiens. Offenbar hätten sich in den Gebieten spontane Proteste ausgebreitet. "Die brutale Reaktion der Regierung droht noch mehr Wut auszulösen und es schlimmer zu machen", sagte der Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Die Zahl der Todesopfer drohe noch zu steigen, weil es zahlreiche Verletzte gebe, sagte der Chef des oppositionellen Oromo-Volkskongresses, Merera Gudina. Amnesty International zufolge wurden am Samstag und am Sonntag 67 Menschen in Oromia und 30 weitere in Amhara getötet. Die äthiopischen Behörden blockieren seit Freitag den Zugang zu sozialen Online-Netzwerken. Diese spielen in dem ostafrikanischen Land eine zentrale Rolle bei der Organisation von Protesten.

Proteste gegen die Regierung in Äthiopien
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Aufstand der Armen und Unterdrückten - Proteste in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba (6.8.2016)

Die regierungskritischen Demonstrationen breiteten sich am Wochenende trotz des harten Vorgehens der Regierung, die als eine der repressivsten in Afrika gilt, bis in die Hauptstadt Addis Abeba aus. Im Stadtzentrum hatten sich am Samstag etwa 500 Menschen versammelt und "Wir wollen unsere Freiheit" sowie "Befreit unsere politischen Gefangenen" gerufen. Die Polizei löste die Versammlung gewaltsam auf.

Menschenrechtler sprechen von "Staatsterror"

Die in Göttingen ansässige Gesellschaft für bedrohte Völker wirft der äthiopischen Regierung "Staatsterror" vor. "Äthiopien ist kein Hort der Stabilität, wie Europas Politiker gerne erklären, sondern hier herrschen Willkür und Rechtlosigkeit", sagte der Afrikaexperte der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius. Die äthiopische Regierung herrsche "mit eiserner Faust" und provoziere den offenen Aufstand der Zivilbevölkerung.

Seit Monaten Proteste

In der Region Oromia gibt es bereits seit Ende vergangenen Jahres immer wieder Proteste. In Amhara wurden jüngst aufflammende Proteste zusätzlich durch die versuchte Festnahme zweier Lokalpolitiker angefacht, die sich gegen eine Regierungsentscheidung zur Zusammenlegung zweier Bezirke gestemmt hatten. Die Protestierenden eint der Unmut über die Regierung, die mehrheitlich der ethnischen Gruppe der Tigray entstammt und der die Demonstranten Diskriminierung vorwerfen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. August 2016 um 13:30 Uhr

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