Die Sea-Eye bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer. | Bildquelle: dpa

Mittelmeer Hilfsorganisationen stoppen Einsätze

Stand: 13.08.2017 10:40 Uhr

Ärzte ohne Grenzen und die Hilfsorganisation Sea-Eye haben ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer ausgesetzt. Grund ist die Entscheidung der libyschen Küstenwache, eine eigene Rettungszone einzurichten - offenbar verbunden mit einer Drohung gegen Flüchtlingsretter.

Die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye hat ihre Rettungsmission im Mittelmeer ausgesetzt. Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer erklärte, die Fortsetzung der Rettungsaktionen vor der libyschen Küste sei unter den aktuellen Umständen "nicht möglich", sie sei gegenüber den Crews nicht mehr zu verantworten.

Die libysche Marine hatte am Donnerstag erklärt, ausländische Schiffe dürften die Küste des Landes ohne eine spezielle Erlaubnis der libyschen Behörden nicht mehr ansteuern.

"Eine tödliche Lücke im Mittelmeer"

Die Entscheidung zur Aussetzung der Rettungsmission sei "schweren Herzens" getroffen worden, erklärte Sea-Eye. Jedoch habe die libysche Regierung eine "unbestimmte und einseitige Ausdehnung ihrer Hoheitsgewässer angekündigt" und dies mit einer "expliziten Drohung" an private Hilfsorganisationen verknüpft. Nun müsse die Organisation "die veränderte Sicherheitslage sorgfältig analysieren" und über das weitere Vorgehen beraten.

"Wir hinterlassen eine tödliche Lücke im Mittelmeer", erklärte Buschheuer. Er appelliere an die italienische Regierung und die EU-Einsatzkräfte der Mission "Sophia", "jetzt endlich alles zu unternehmen, um das sinnlose Sterben der Flüchtenden zu beenden".

Von der Sea-Eye gerettete Flüchtlinge
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Von der Sea-Eye gerettete Flüchtlinge. Die NGO rettete nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Missionen im April 2016 rund 12.000 Menschen vor dem Ertrinken.

Auch Ärzte ohne Grenzen pausiert

Ärzte ohne Grenzen hat die Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer ebenfalls vorerst ausgesetzt. Die Organisation bezog sich auf Berichte, denen zufolge libysche Behörden eine eigene Such- und Rettungszone (SAR-Zone) einrichten wollen, die für NGOs den Zugang in die internationalen Gewässer beschränken würde.

"Wenn sich diese Ankündigungen bestätigen und die Anweisungen in die Tat umgesetzt werden, kann das aus unserer Sicht zwei gravierende Folgen haben - es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen, die in Libyen gefangen sind", hieß es in der Mitteilung.

Kritik an italienischer Marine-Operation

Die jüngst beschlossene italienische Marine-Operation zur Unterstützung der libyschen Küstenwache sei ein weiteres "besorgniserregendes Element in einem zunehmend feindseligen Umfeld für lebensrettende Einsätze". Ärzte ohne Grenzen warf den europäischen Staaten vor, gemeinsam mit libyschen Behörden Migranten davon abzuhalten, einen Weg in die Sicherheit zu finden.

Das Rettungsschiff "Vos Prudence" von Ärzte ohne Grenzen | Bildquelle: dpa
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Das Rettungsschiff von "Ärzte ohne Grenzen" kommt am 14. Juli mit 900 Flüchtlingen an Bord im italienischen Hafen Salerno an.

Ärzte ohne Grenzen war bislang mit dem Schiff "Vos Prudence" im Einsatz auf dem Mittelmeer. Ein Team der Organisation soll weiterhin an Bord des Rettungsschiffs "Aquarius" von SOS Méditerranée zur medizinischen Versorgung von Geretteten bleiben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2017 um 19:00 Uhr und Inforadio am 13. August 2017 um 06:04 Uhr.

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