Ägypten: Mansur als Übergangspräsident vereidigt

Adli Mansur bei der Vereidigung (Bildquelle: AFP)

Übergangspräsident in Ägypten vereidigt

Mansur soll durch den Wandel führen

Nur einen Tag nach dem Sturz des Präsidenten Mursi hat Ägypten einen Übergangspräsidenten. Der Verfassungsrechtler Adli Mansur wurde offiziell vereidigt. Nun soll es rasch Neuwahlen geben. Unterdessen gab es Festnahmen im Kreis der Muslimbruderschaft.

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Keine fünf Minuten hat die Zeremonie gedauert. Vor den Mitgliedern des obersten Verfassungsgerichts Ägyptens legte Adli Mansur den Amtseid ab: "Ich schwöre bei Gott, das Gesetz und die Verfassung zu achten und gerecht zu regieren."

Bereits in den vergangenen Tagen war der Name des 67-jährigen Verfassungsrechtlers immer wieder gehandelt worden, als Übergangspräsident des Landes - sowohl in den politischen Planspielen des Militärs als auch der Opposition. Mansur wird Ägypten solange repräsentieren, bis ein neues Staatsoberhaupt gewählt ist. Den Termin für diese Wahl sobald als möglich bekannt zu geben, ist eine der Aufgaben von Mansur.

Mansur zum Übergangspräsidenten ernannt
tagessschau 17:00 Uhr, 04.07.2013, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Übergangsphase soll so kurz wie möglich sein

Ihm soll auch ein Übergangsrat aus Technokraten zur Seite gestellt werden, der die Parlaments- und Präsidentenwahlen vorbereiten und sich um die anstehenden Verwaltungsaufgaben des Landes kümmern soll. Mit diesen administrativen Schritten will man erreichen, dass die politische Übergangsphase Ägyptens so kurz wie möglich ausfällt und sich nicht endlos in die Länge zieht.

Aufruf zu Toleranz und Versöhnung

Zu drängend sind die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes. Nach Ansicht von Hamdeen Sabahi, ehemals Präsidentschaftskandidat und Mitglied der oppositionellen Rettungsfront, sind die Versöhnung innerhalb der Gesellschaft und die Zusammenarbeit aller politischen und gesellschaftlichen Gruppen wichtige Bausteine für ein neues Ägypten: "Ich glaube, die Tür in die Zukunft ist offen, aber das erfordert, dass alle ein hohes Maß an Wachsamkeit und Weisheit an den Tag legen. Und dass die Übergangsphase nach Plan abläuft. Der Aufruf zu Toleranz und nationaler Versöhnung muss ernst genommen werden und auch alle Fraktionen des politischen Islam mit einschließen, außer denen, die Gewalt angezettelt haben."

Es hat den Anschein, dass die an dem politischen Prozess Beteiligten ein Klima des Dialogs und des Ausgleichs schaffen wollen. Dass man dennoch keine Kompromisse, gerade im Hinblick auf Gesetzesverstöße machen wird, wurde inzwischen aber auch schon klar.

Führende Muslimbrüder festgenommen

Am Morgen wurde bekannt, dass neben dem gestürzten Machthaber Mursi auch führende Köpfe der Muslimbruderschaft festgenommen wurden. Nach 300 weiteren Islamisten aus den Reihen der Organisation wird mit Haftbefehl gefahndet. Ihnen soll möglicherweise wegen eines dubiosen Gefängnisausbruchs 2011 der Prozess gemacht werden.

Stand: 04.07.2013 14:04 Uhr

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