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Ägypter wollen Rücktritt erzwingen

"Marsch der Millionen" gegen Präsident Mubarak

Hunderttausende Menschen protestieren in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gegen Staatspräsident Hosni Mubarak. Auf dem zentralen Tahrir-Platz und den angrenzenden Straßen verlangen sie in Sprechchören und auf Transparenten den Rücktritt des 82-Jährigen. Mit Gebeten betonten sie ihre Forderung.

Die Opposition unter Führung von Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei will am achten Tag der Proteste eine Million Menschen auf die Beine bringen, um dieses Ziel durchzusetzen. Sie rief deshalb ihre Anhänger zu einem Generalstreik und einem "Marsch der Millionen" auf.

Muslimbrüder wollen "endlich reden"

Offenbar befinden sich unter den Demonstranten deutlich mehr Vertreter der Muslimbruderschaft als zuletzt. Ein Vertreter der islamistischen Organisation sagte einer dpa-Reporterin: "Wir sind eine gut organisierte Bewegung. Es wird Zeit, dass auch wir auf diesem Platz reden dürfen." Die Muslimbrüder sind in Ägypten offiziell verboten, haben aber viele Anhänger.

Das ägyptische Militär kündigte an, nicht auf friedliche Demonstranten zu schießen. In einer Erklärung sicherte die Armee der Opposition Zurückhaltung zu. Das Militär erkenne die "Legitimität der Forderungen des Volkes" an, sagte Militärsprecher Ismail Etman im Staatsfernsehen.

Auf dem Weg zum Tahrir-Platz allerdings kontrollierten Soldaten dennoch Ausweispapiere und durchsuchten die Teilnehmer. Sie hinderten jedoch niemanden daran, an der Protestaktion teilzunehmen. Um eine mögliche Eskalation bei der Demonstration zu verhindern, wurden die Sicherheitskräfte bei ihren Kontrollen durch Freiwillige unterstützt. Diese achteten darauf, dass niemand Waffen mit zur Kundgebung brachte. Zudem sollten sie Ausschau halten, ob jemand die Aktion stören wolle.

Straßen gesperrt, Busse und Bahnen fahren nicht

Alle in die Hauptstadt führenden Straßen wurden gesperrt, alle innerstädtischen Hauptstraßen sind den Berichten zufolge blockiert. Der Zugverkehr ist den zweiten Tag in Folge eingestellt, der Busverkehr von Stadt zu Stadt unterbrochen. Die Anreise mit dem Auto wird auch durch knapper werdenden Kraftstoff erschwert.

Die Opposition in Alexandria beschloss daraufhin, zusätzlich zum Protestmarsch in Kairo auch in Ägyptens zweitgrößter Stadt Alexandria einen "Marsch der Millionen" zu organisieren. In Suez kam es ebenfalls zu Protesten.

ElBaradei: Mubarak soll vor Gericht

Der Generalstreik solle so lange dauern, "bis unsere Forderungen erfüllt werden", sagte Oppositionsvertreter Mohammed Waked. Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei rief Mubarak auf, sich nach 30 Jahren an der Macht zurückzuziehen. Die Menschen auf den Straßen des Landes forderten nicht mehr nur seinen Rücktritt, sondern dass er vor Gericht zur Verantwortung gezogen werde, sagte der Friedensnobelpreisträger der britischen Zeitung "The Independent".

50 Menschenrechtsorganisationen schlossen sich den Forderungen der Opposition an. "Präsident Mubarak muss den Willen des ägyptischen Volkes respektieren und sich zurückziehen, um ein Blutbad zu verhindern", hieß es in einer Erklärung. Sie verlangten ferner eine neue Verfassung sowie Parlaments- und Präsidentschaftswahlen innerhalb der nächsten sechs Monate.

Gegendemo: "Ja zu Mubarak"

Parallel zu der Massenkundgebung gegen Mubarak versammelten sich auch Anhänger des Staatschefs. Etwa 2000 Teilnehmer riefen "Ja zu Mubarak, nein zu Demonstrationen und Sabotage". Zusammenstöße mit den anderen Demonstranten gab bislang offenbar nicht. Die Stimmung sei aber sehr aufgeheizt, berichtete Reporter.

Regierung will Handynetze kappen

Um die Demonstranten weiter zu behindern, will die Regierung die Kommunikation erschweren und nach Medienberichten das Mobiltelefonnetz kappen. Ein weiterer ägyptischer Internetprovider, die Noor Group, sei am Montagabend von Netz genommen worden. Das teilte Renesys mit, ein amerikanisches IT-Unternehmen aus New Hampshire, das für Internet-Anbieter die Sicherheit und die Infrastruktur des Netzes überprüft. Das sei der letzte Internetprovider gewesen, der funktioniert habe, hieß es.

Innenstadt von Kairo
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Innenstadt von Kairo

Stand: 01.02.2011 14:44 Uhr

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