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Vor einem Jahr fanden in Ägypten die ersten von vielen Protesten statt, die schließlich zum Sturz des damaligen Präsidenten Mubarak führten. Doch in Kairo herrschte zum Jahrestag eher keine Feierstimmung. Die Menschen gedachten der vielen Toten und Verletzten, die die Proteste gefordert haben.
Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkkorrespondent Kairo
Hunderttausende Menschen waren in Ägyptens Hauptstadt auf den Beinen. Doch sie feiern nicht den Jahrestag des Revolutionsbeginns: Sie gedachten der vielen Verletzten und Toten, die es in den vergangenen zwölf Monaten gegeben hat.
"Wir sollten nicht vergessen, dass es hier blutige Auseinandersetzungen gegeben hat. Das hier ist keine Feier sondern eine Veranstaltung, auf der wir unsere Brüder und Schwestern ehren, die zwischen dem 25. Januar 2011 und jetzt gestorben sind." Zu denen, die gedenken, gehören wohl die meisten.
Manche tragen Poster oder Masken, auf die Gesichter von Getöteten gedruckt sind. Andere aber, die gekommen sind, stellen Forderungen auf. Sie gehen allein mit Transparenten umher oder ziehen in kleineren Gruppen durch die große Menschenansammlung auf dem Tahrir-Platz.
Die Mitglieder der Demokratiebewegung fordern, dass der Oberste Militärrat, der nach dem Rücktritt von Hosni Mubarak vergangenen Februar die Macht in Ägypten übernommen hat, diese Macht an eine zivile Führung abgibt. Und zwar nicht erst wie geplant Ende Juni, nach der Wahl eines neuen Staatspräsidenten.
Die Muslimbrüder, die die größte Bühne auf dem Platz errichtet haben, haben sich de facto mit den Generälen arrangiert. Sie nehmen ihre Herrschaft in der Übergangsphase hin - und protestieren für die zwei Dinge, die auch den Namen ihrer Partei ausmachen: Freiheit und Gerechtigkeit.
Und die Salafisten, also die radikalen Islamisten, skandieren Parolen, in denen sie die Einführung der Scharia - des islamischen Rechtes - für alle Lebenslagen verlangen.
Anders als es vor einem Jahr war, als die Demonstranten den Rücktritt von Mubarak forderten, haben die politischen Fraktionen, die heute auf dem Tahrir sind, unterschiedliche Interessen und sie vertreten diese friedlich. Zwar hatte es Angst vor Provokateuren gegeben, die - von wem auch immer bezahlt - zur Randale anstiften könnten. Aber diese Befürchtung scheint bisher unbegründet zu sein.
Allerdings haben viele Aktivisten angekündigt, dass sie nach der Großdemonstration auf dem Tahrir bleiben werden, um die Revolution, die vor einem Jahr begann, neu zu starten. Und dann lautet die Frage, ob der Oberste Militärrat das hinnehmen wird. Denn eine Besetzung des Platzes könnten die Generäle als "Rücksichtslosigkeit" werten und in diesem Fall, so hatte es ihr Oberster gestern erklärt, würde er die um Mitternacht in Kraft getretene Aufhebung des Ausnahmezustandes aufheben.
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