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28.05.2012

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Ausland
Soldaten stehen auf einer Straßensperre aus Beton zwischen dem Tahrir-Platz und dem Innenministerium
Kairo: Proteste, aber keine Gewalt
Demonstrationen in Kairo

Proteste, aber keine Gewalt

Die Lage in Ägypten scheint sich tatsächlich geändert zu haben: Zwar gehen die Proteste auf Tahrir-Platz weiter, doch weder fliegen Steine, noch wird Tränengas eingesetzt. Der Militärrat entschuldigte sich sogar für die Gewalt der Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen.

Von Björn Blaschke, ARD Hörfunkstudio Kairo

Eine zweireihige Menschenkette steht am Eingang der Mohammed-Mahmoud-Straße, die vom Tahrir-Platz zum Innenministerium führt. Überwiegend sind es Männer, die die Demonstranten daran hindern, ihren Protest vom Tahrir weiterzutragen. "Thawra - thawra fi midan…" - "Die Revolution findet auf dem Platz statt", so rufen die Freiwilligen.

Übergangsregierung spricht von "Abkommen"

Soldaten stehen auf einer Straßensperre aus Beton zwischen dem Tahrir-Platz und dem Innenministerium (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Straße vom Tahrir-Platz zum Innenministerium wurde mit Betonblöcken abgesperrt. ]
Und tatsächlich: Die Proteste außerhalb des Tahrir sind vorbei. Seit dem Nachmittag fliegen keine Steine mehr auf die Sicherheitskräfte; und die feuern kein Tränengas mehr auf die Demonstranten. Beide Seiten haben sich auf ein vorläufiges Ende der Gewalt geeinigt. Die ägyptische Übergangsregierung spricht auf ihrer Facebook-Seite von einem "Abkommen". Es sei dank der Kooperation der jugendlichen Demonstranten zustande gekommen.

General Mochtar al Mullah, ein Vertreter des Hohen Militärrates, erklärte: "Wir fordern dazu auf, dass die Gewalt und der Konflikt zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten endet. Wir garantieren allen das Recht auf friedliche Demonstrationen, aber sie sollen den Verkehr nicht behindern. Außerdem werden die, die am Samstag verhaftet wurden, freigelassen."

Audio: "Die Revolution findet auf dem Platz statt"

AudioBjörn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo 24.11.2011 16:57 | 2'54
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300 festgenommene Demonstranten freigelassen

Am Samstag waren Demonstranten auf dem Tahrir in Gewahrsam genommen worden. 300 sollen jetzt schon freigelassen worden sein, wie es in Kairo heißt. Ein weiterer Annäherungsversuch des Militärrates, der angesichts von fast 40 Toten und Tausenden Verletzten in den vergangenen Tagen unter Druck geraten ist. Der Militärrat entschuldigte sich für die Gewalt der Polizei gegen Demonstranten in den vergangenen Tagen; es sei sehr bedauerlich, dass bei den Protesten Menschen umgekommen sind. Die Vorfälle würden jetzt untersucht.

"Wir gehen nicht bevor sie gehen"

Demonstranten tragen eine große Flagge mit der Aufschrift "Geht, Ägypten ist größer als ihr alle" auf dem Tahrir-Platz (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Demonstranten auf dem Tahrir-Platz tragen eine Flagge mit der Aufschrift "Geht, Ägypten ist größer als ihr alle". ]
Das alles heißt aber nicht, dass die Demonstranten von ihrer Forderung abrücken: Rücktritt des Hohen Militärrates! Der hatte Anfang des Jahres zunächst den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak seines Amtes enthoben und danach selbst die Macht im Land übernommen. Immer wieder bilden sich aus den vielleicht 15.000 bis 20.000 Demonstranten Gruppen heraus, die ihren Unmut über die Generäle herausschreien: "Wir fordern den Rücktritt der Militärführung", rufen sie. Oder "Wir gehen nicht bevor sie gehen" - oder einfach nur "Freiheit".

Militärrat hält an Wahltermin fest

Viele Demonstranten auf dem Tahrir fordern zudem eine Verschiebung der Parlamentswahlen, deren Beginn für kommenden Montag geplant ist. An diesem Termin hält die Führung des Landes fest, wie General al Mullah zusammen mit Vertretern der Wahlkommission bekräftigte. "Wir sind dazu verpflichtet, die Wahlen pünktlich stattfinden zu lassen - und dass ein Präsident vor Ende Juni 2012 gewählt wird", so der General.

Ein pünktlicher Wahlbeginn sei der Garant dafür, dass die Generäle bald möglichst die Verantwortung an eine gewählte zivile Regierung abgeben können. Mit seiner Erklärung widersprach Mullah Gerüchten, denen zufolge der Übergangsinnenminister Pläne hätte, die Wahlen zu verschieben.

Stand: 24.11.2011 18:11 Uhr
 

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