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28.05.2012

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Hintergrund: Die Muslimbruderschaft
Die Muslimbruderschaft

Ägyptens einflussreiche islamistische Bewegung

Oberster Führer der Muslimbrüder Mohamed Badi (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mohamed Badi ist seit 2010 oberster Führer der Muslimbrüder. ]
Die Muslimbruderschaft ist die stärkste oppositionelle Kraft in Ägypten, obwohl sie offiziell verboten ist. Gegründet wurde die Muslimbruderschaft (arabisch: Jamaîyat al-ikhwân al-muslimîn) 1928 durch den Lehrer Hassan al Banna in Kairo. Sie ist damit die älteste sunnitisch-islamistische Bewegung. Ihre Lehre folgt dem "Tauhid", der Einheit zwischen Staat und Islam. Ihr langfristiges Ziel ist ein danach ausgerichtetes Gesellschaftssystem.

Die Muslimbrüder engagieren sich politisch und kritisieren Unterdrückung, Korruption und Arbeitslosigkeit. Zugleich bieten sie selbst seit Jahrzehnten ein breites Netz karitativer Dienstleistungen an, was ihren Rückhalt insbesondere in der ärmeren Bevölkerung stärkt.

"Wir schätzen, dass etwa 25 bis 30 Prozent der Menschen in Ägypten die Muslimbrüder unterstützen", sagte der Politikwissenschaftler Holger Albrecht im Deutschlandradio.

In ihrer langen Geschichte pendelte die Bruderschaft zwischen gewalttätiger Opposition und Zusammenarbeit mit der Staatsführung, zwischen Einsatz für einen islamischen Staat und Bekenntnissen zur Demokratie.

Die Vergangenheit der Bewegung

Von Ex-Muslimbrüdern getöteter Anwar al Sadat (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Präsident Anwar al Sadat ]
In den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts verübten Mitglieder der Muslimbrüder Anschläge, insbesondere den Mord an dem ägyptischen Ministerpräsidenten Mahmud Fahmi al Nokratschi 1948. In den folgenden Jahrzehnten ging die ägyptische Führung hart gegen die Bruderschaft vor. Um den von der Sowjetunion unterstützten Staatschef Gamal Abdel Nasser zu schwächen, unterstützte der US-Geheimdienst CIA ab 1956 die Muslimbruderschaft.

Nassers Nachfolger Anwar al Sadat erließ 1971 eine Generalamnestie für die Muslimbrüder. Als aber Sadat sich politisch umorientierte und Frieden mit Israel schloss, wandte sich die Bruderschaft tief enttäuscht ab. Radikalisierte Ex-Muslimbrüder töteten Sadat 1981.

Verhältnis zu Gewalt und Al Kaida

1972 sagte sich die Muslimbruderschaft von Gewalt und Terror los. Ihre Führer verurteilen seither konsequent die Anschläge in Ägypten, die von islamistischen Terrorgruppen ausgeübt wurden, von denen einige Verbindungen zu Al Kaida haben. Frühere Mitglieder der Muslimbrüder haben sich allerdings Al Kaida und anderen Terrorgruppen angeschlossen.

Die ägyptischen Muslimbrüder gelten aber als moderat, auch wenn sie das Existenzrecht Israels weiterhin nicht anerkennen. "Die Muslimbruderschaft ist nicht mehr mit der Bewegung zu vergleichen, die sie bei ihrer Gründung oder später in den 1970er-Jahren war", sagt die Islamwissenschaftlerin Sonja Hegasy im Interview mit tagesschau.de.

Interview:

Islam- und Moslemwissentschaftlerin Sonja Hegasy
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Geduldet im Parlament

Bis zur Parlamentswahl im November 2010 saßen Vertreter der Muslimbrüder, die als unabhängige Kandidaten über andere Listen angetreten waren, auch im ägyptischen Parlament und stellten rund 20 Prozent der Abgeordneten. Aufgrund von Verhaftungen und Manipulationen boykottierte die Bewegung schließlich die Wahl.

Laut Selbstdarstellung der Muslimbruderschaft gibt es in rund 70 Ländern der Welt Zweige ihrer Bewegung, vor allem im Nahen Osten.

Stand: 31.01.2011 18:20 Uhr
 

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