Anhänger von Ägyptens Ex-Präsident Mursi demonstrieren. (Bildquelle: dpa)

Gewalt in Ägypten Kairo rechnet mit neuen Protesten

Stand: 05.10.2013 18:19 Uhr

Nach den blutigen Protesten in Kairo stellt sich Ägyptens Hauptstadt auf neue Demonstrationen ein. Die Anhänger von Ex-Präsident Mursi haben zu Kundgebungen aufgerufen. Anlass sind Feiern zu Ehren eines anderen früheren Staatschefs.

Von Sabine Rossi, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Ungewöhnlich früh waren die ägyptischen Militärs auf den Beinen. Bereits um sieben Uhr war der rote Teppich ausgerollt - für die Parade zu Ehren der Armee und des früheren Präsidenten Anwar al Sadat. Er hatte die ägyptischen Truppen 1973 in den Krieg gegen Israel geschickt.

Noch heute gilt der Oktoberkrieg - oder Jom-Kippur-Krieg, wie er in Israel genannt wird - vielen Arabern als Sieg gegen Israel. Dass die arabischen Truppen schon nach wenigen Tagen zurückgedrängt wurden, ist vergessen. Der Jahrestag des Oktoberkriegs ist Nationalfeiertag in Ägypten.

Tote und Verletzte nach Protesten
S. Rossi, ARD Kairo
05.10.2013 12:56 Uhr

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"Der Putsch ist Terrorismus"

Die Atmosphäre ist aufgeladen rund um das Jubiläum - und entlädt sich immer wieder in Gewalt: Wie Staatsmedien berichteten, wurden am Mittag bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Aufständischen erneut vier Menschen getötet. Der Vorfall ereignete sich an einer Verbindungsstraße zwischen Kairo und der am Suezkanal gelegenen Stadt Ismailia.

Die Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi hatten rund um diesen Tag zu Demonstrationen aufgerufen. Bereits am Freitag waren in mehreren Städten Ägyptens Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Demonstranten verurteilten die Armee. "Der Putsch ist Terrorismus", riefen sie. In Kairo versuchten sie, auf den symbolträchtigen Tahrir-Platz zu gelangen. Die Armee hatte den Platz weiträumig abgesperrt. Einigen Demonstranten gelang es dennoch, bis in die Nähe des Tahrir vorzudringen. Soldaten feuerten Tränengaspatronen und Warnschüsse ab, um die Gruppe aufzulösen. In Kairo wurden mindestens vier Menschen bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und Anwohnern getötet.

Anhänger von Ägyptens Ex-Präsident Mursi demonstrieren in Kairo. (Bildquelle: REUTERS)
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Anhänger von Ägyptens Ex-Präsident Mursi protestieren gegen die Übergangsregierung.

Prominenter Politiker verletzt

Sie sollen sich gegenseitig mit Steinen beworfen und aus Schrotflinten beschossen haben. Mehr als 40 Menschen wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt. Unter ihnen ist auch der prominente Politiker Khaled Dawoud. Er ist Sprecher der liberalen Partei "Al Dustur", der auch Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei angehört. Dawoud kam mit Stichwunden ins Krankenhaus. Er soll von Demonstranten angegriffen und verprügelt worden sein.

Tausende Anhänger der Muslimbrüder protestieren erneut in Kairo
tagesthemen 21:45 Uhr, 04.10.2013

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Ein gespaltenes Land

Seit Mursi vor drei Monaten nach Massenprotesten seinen Posten räumen musste, ist Ägypten ein gespaltenes Land. Zwei Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber: die Anhänger der Armee und die Islamisten. Sie unterstützen die Muslimbrüder, die durch die Verhaftung ihre Führungsriege geschwächt sind. "Wir fordern, dass unser legitimes Recht wieder hergestellt wird. Der Militärputsch muss ein Ende haben. Mit Gottes Hilfe werden wir weiter machen. Wir werden am Sonntag demonstrieren und an jedem anderen Tag - solange bis wir diesen Putsch und seine Soldaten vertrieben haben", sagt ein Muslimbruder.

Die Gegner der derzeitigen Übergangsregierung und des Militärs haben für die kommenden Tage zu weiteren Demonstrationen aufgerufen. In Kairo ist für Sonntag eine große Militärparade geplant An zentralen Plätzen in der Stadt stehen zusätzliche Soldaten und Polizisten. Sie sollen Demonstrationen frühzeitig auflösen.

Mursi-Unterstützer verlangen Zugang zu einem von der Armee abgeriegelten Bereich (Bildquelle: dpa)
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Mursi-Unterstützer verlangen Zugang zu einem von der Armee abgeriegelten Bereich.

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