Giza (Bildquelle: AP)

Gewalt in Ägypten Muslimbrüder stürmen Gouverneurssitz

Stand: 15.08.2013 15:19 Uhr

Hunderte Muslimbrüder haben den lokalen Gouverneurssitz Gizeh nahe Kairo in Brand gesetzt. Das berichtet das staatliche ägyptische Fernsehen. Auch in der zweitgrößten Stadt Alexandria versammelten sich Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zu einem Protestmarsch.

Muslimbrüder lassen sich nicht einschüchtern

Protestierende Anhänger des Ex-Präsidenten Mursi in Kairo (Archiv) (Bildquelle: dpa)
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Die Demonstranten wollen solange ausharren bis der entmachtete Präsident Mursi wieder eingesetzt wird. (Archiv)

Wenige Stunden zuvor hatten die Muslimbrüder angekündigt, ihre Proteste am Nachmittag und nach den morgigen Freitagsgebeten fortsetzen zu wollen. Man werde nicht ruhen, bis "der Militärputsch" der Vergangenheit angehöre, erklärte ein Sprecher über den Kurznachrichtendienst Twitter. Er betonte, dass die Muslimbrüder dabei "stets gewaltfrei und friedlich" vorgehen würden. "Wir bleiben stark, aufsässig und entschlossen."

Obama sagt Manöver ab

Nach der Eskalation der Gewalt in Ägypten sagten die USA ein gemeinsames Militärmanöver ab. US-Präsident Obama erklärte von seinem Ferienort auf der Insel Martha's Vineyard im US-Staat Massachusetts aus, angesichts dieser Entwicklung könnten die USA ihre Beziehung mit dem Land derzeit nicht wie gewohnt weiterführen. Er habe seinen Nationalen Sicherheitsrat aufgefordert, zu ermitteln, ob weitere Konsequenzen notwendig seien. Ob dazu auch ein Einfrieren der milliardenschweren Militärhilfe gehört, sprach Obama nicht an. Man wolle weiterhin ein enger Partner Ägyptens bleiben.

Reisewarnung verschärft

Die Auswärtige Amt erneuerte seine Reisewarnung für ganz Ägypten nach dem jüngsten Gewaltausbruch: "Für Kairo steht zu befürchten, dass sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert", erklärte das Außenministerium in Berlin. Im ganzen Land sei weiter mit Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mursi und Einsätzen der Sicherheitskräfte zu rechnen, die auch einen gewalttätigen Verlauf nehmen könnten. Die Lage bleibe im Moment sehr unübersichtlich.

Lage in Ägypten droht weiter zu eskalieren
tagesschau 17:00 Uhr, 15.08.2013, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Relativ ruhige Nacht in Kairo

Nach der Gewalteskalation am Mittwoch beruhigte sich die Lage in Kairo über Nacht ein wenig. Die von der Führung verordnete nächtliche Ausgangssperre verhinderte zunächst weitere Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Anhängern Mursis. In der südägyptischen Stadt Assiut allerdings beschossen Islamisten eine Polizeistation mit Mörsergranaten. Dabei wurden nach Angaben der Behörden mehrere Polizisten verletzt. In der gleichnamigen Provinz Assiut sollen außerdem erneut koptische Christen angegriffen worden sein: Nach Angaben aus Sicherheitskreisen brannte ein Gotteshaus nieder, Berichte über Tote oder Verletzte gibt es aber nicht.

Sendungsbild
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Luftbilder aus Kairo zeigen viele Feuer in der Stadt.

Hunderte Tote, Tausende Verletzte

Bei den Kämpfen gestern in Kairo, ausgelöst durch die gewalttätige Räumung der islamistischen Protestlager, waren nach jüngsten Angaben der Behörden am Mittwoch mindestens 525 Menschen getötet worden, zuvor war von 278 Toten die Rede gewesen. Zudem gab es etwa 2000 Verletzte. Laut der Muslimbruderschaft liegen die Opferzahlen aber weit höher, ihr Sprecher Ahmed Aref schätzte die Zahl der Toten auf 2600. Auch vier Journalisten waren unter den Todesopfern.

Regierung spricht vom "Kampf gegen Anarchie"

Die Übergangsregierung verlängerte die Haft für Mursi um 30 Tage. Zuvor hatte sie ihre Entscheidung verteidigt, die beiden Protestlager der Anhänger von Ex-Präsident Mursi gewaltsam aufzulösen. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Dinge einen Punkt erreicht haben, den kein sich selbst achtender Staat akzeptieren darf", sagte Premier Beblawi in einer Fernsehansprache. Die Regierung habe keine andere Wahl gehabt, um eine "Ausbreitung von Anarchie zu verhindern", so Beblawi weiter. Dennoch sei die Entscheidung nicht leicht gewesen.

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Räumung von Protestlagern in Kairo

Räumung eines Lagers von Mursi-Anhängern

Mit Panzern und Bulldozern rückten die Sicherheitskräfte in Kairo in das Protestcamp von Mursi-Anhängern ein, um es zu räumen. Dieser Mann stemmt sich dem Einsatz entgegen, indem er ein Räumfahrzeug erklettert. (Foto: dpa)

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