Tahrir-Platz (Bildquelle: AFP)

Nach Haftbefehl gegen Ex-Präsidenten Anspannung in Ägypten

Stand: 26.07.2013 17:38 Uhr

Die gegen Ägyptens Ex-Präsident Mursi verhängte Untersuchungshaft hat die angespannte Situation weiter verschärft. Armeechef Sisi kündigte ein härteres Vorgehen gegen die Muslimbrüder an und rief die Bevölkerung zu Demonstrationen auf.

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Mit der angeordneten Untersuchungshaft von 15 Tagen geht die Justiz Ägyptens jetzt erstmals offiziell gegen den ehemaligen Präsidenten vor. In den kommenden zwei Wochen soll überprüft werden, ob und wie Mohammed Mursi möglicherweise in Angriffe auf die Polizei und ein Gefängnis durch Mitglieder der palästinensischen Hamas-Bewegung verstrickt ist.

Mursi offiziell in U-Haft
P. Steffe, ARD Kairo
26.07.2013 13:42 Uhr

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Mursi in Hamas-Aktion verstrickt?

Die im Gazastreifen regierende radikal islamische Organisation soll 2011 in einer Kommandoaktion ein Gefängnis nördlich von Kairo mit Waffengewalt angegriffen und so etliche Mitglieder der Muslimbruderschaft befreit haben. Darunter auch Mohammed Mursi. Die Hamas ist die Schwesterorganisation der ägyptischen Muslimbrüder.

Wo sich der gestürzte Ex-Präsident bislang aufhielt, ist nach wie vor unklar. Das Militär hatte Mursi am 3. Juli seines Amtes enthoben und ihn, so war von der Armee immer wieder zu hören, zu seinem eigenen Schutz an einem sicheren Ort untergebracht.

Muslimbrüder verurteilen Ermittlungen gegen Mursi

Die Muslimbruderschaft verurteilte die heutige Entscheidung der Justiz, gegen ihren Ex-Präsidenten zu ermitteln. Die Vorwürfe "klingen wie eine Rache des alten Regimes, als wolle es machtvoll zurückkehren", sagte der Sprecher der Bruderschaft, Gehad al Haddad, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Nachricht über die angeordnete Untersuchungshaft gegen Mursi dürfte die sowieso schon angespannte Lage vor den heute angekündigten landesweiten Massenprotesten weiter verschärfen. Ägyptens Interimspremier Hazem al Beblawi versuchte bereits gestern die Wogen einigermaßen zu glätten: "Der Übergangspräsident, die aktuelle Regierung, die Polizei und das Militär unterstützen jeden, der friedlich demonstrieren will, ohne in irgendeiner Form Gewalt anzuwenden."

Panzer auf einer Zufahrtsbrücke zum Tahir-Platz in Kairo (Bildquelle: AP)
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Auf einer Zufahrtsbrücke zum Tahir-Platz in Kairo steht die Armee mit Panzern.

Höchste Alarmbereitschaft bei Polizei und Armee

Starke Polizei- und Armeeeinheiten befinden sich in höchster Alarmbereitschaft. Sie sollen verhindern, dass es vor, während und nach der Proteste zu Ausschreitungen kommt. Beide Lager - sowohl Gegner als auch Anhänger des Ex-Präsidenten - wollen heute landesweit auf die Straße gehen.

Am Mittwoch hatte Armeechef Sisi die Ägypter dazu aufgerufen, ihm durch ihr Erscheinen ein Mandat zu geben, um gegen Gewalt und Terror im Land vorgehen zu können. Der Muslimbruderschaft setzte er ein Ultimatum von 48 Stunden. Sollten sie sich innerhalb dieses Zeitraumes nicht an dem gesellschaftlichen Versöhnungsprozess beteiligen, müssten sie sich auf ein härteres Vorgehen gefasst machen, heißt es aus Armeekreisen.

Bevölkerung hofft auf friedliche Proteste

Bislang hat die Bruderschaft jegliches Gesprächsangebot abgelehnt. Man setze sich nicht mit Putschisten an einen Tisch ließen sie in den vergangenen Wochen immer wieder wissen.

Viele Ägypter hoffen, dass die heutigen Proteste friedlich bleiben. Es wird allerdings befürchtet, dass es am Abend oder in der kommenden Nacht doch zu Ausschreitungen kommt.

Erneute Massenproteste in Ägypten
tagesschau 17:00 Uhr, 26.07.2013, Stefan Maier, ARD Kairo

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