Ägypten: ElBaradei als Vizepräsident vereidigt

Die Bildung einer ägyptischen Übergangsregierung kommt voran. (Bildquelle: REUTERS)

Nach Umsturz in Ägypten

ElBaradei als Vizepräsident vereidigt

Gut eineinhalb Wochen nach dem Sturz von Präsident Mursi kommt die Bildung einer ägyptischen Übergangsregierung voran. Friedensnobelpreisträger ElBaradei wurde als Vizepräsident vereidigt, weitere Schlüsselressorts besetzt.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Mohammed ElBaradei, der neue Vizepräsident, war in den letzten Monaten der Führer des Oppositionsbündnisses Nationale Rettungsfront. Ende April 2012 gründete er die liberale Partei Al Dustour. Die Jugendbewegung Tamarrod, die zu den Massenprotesten vom 30. Juni aufgerufen hatte, machte ihn kurzzeitig zu ihrem Sprecher.

Friedensnobelpreisträger ElBaradei als Ägyptens Vizepräsident vereidigt
J. Stryjak, ARD Kairo
14.07.2013 17:30 Uhr

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Der Friedensnobelpreisträger ist innerhalb Ägyptens allerdings weniger populär als im Ausland. Nach dem Sturz von Präsident Mursi durch die Proteste und das Militär war er für das Amt des Premierministers im Gespräch. Die salafistische Al-Nour-Partei, die die Bildung einer Übergangsregierung unterstützt, lehnte diesen Vorschlag jedoch strikt ab. Zum Premier wurde der liberale Ökonom Hasem al Beblawi ernannt.   

Friedensnobelpreisträger ElBaradei bei seiner Vereidigung mit Interimspräsident Mansur. (Bildquelle: dpa)
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Friedensnobelpreisträger ElBaradei bei seiner Vereidigung mit Interimspräsident Mansur.

Die Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi bereiten derweil in Kairo auf dem Platz vor der Moschee Rabaa al Adawiyya neue Protestaktionen vor. Sie bezeichnen die Maßnahmen des Militärs, die zur Entmachtung Mursis führten, als Putsch. In großen Lettern schreiben einige Mursi-Anhänger ihre Forderung mit weißer Farbe auf die Straße: "Verschwinde Sisi!"

"Wir malen diese Botschaft auf den Asphalt für den Fall, dass Verteidigungsminister General Sissi die vielen Demonstranten hier nicht sieht, wenn er mit dem Flugzeug drüber fliegt. Ich nehme mal an, dass er lesen kann", sagt einer der Mursi-Anhänger. Ein Demonstrant drängelt sich ans Mikrofon. Er hat eine Botschaft für den General: "Wie konntest Du einen Militärputsch gegen einen Moslem durchführen, der an Gottes Wort glaubt?", fragt der Mann. "Mursi kann ja keine Wunder vollbringen - nur eines von vier Jahren Amtszeit ist erst vorbei. Bring Doktor Mursi zurück!"

Weitere Schlüsselressorts besetzt

Gut anderthalb Wochen nach dem Sturz des gewählten Präsidenten kommt die Bildung einer Übergangsregierung offenbar voran. Premier Beblawi besetzte am Wochenende mehrere Schlüsselressorts. Der Christ Hani Kanri soll neuer Finanzminister werden. Er hatte bereits die letzten Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Milliardenkredit geführt. Nabil Fahmy, einst Ägyptens Botschafter in Washington, könnte neuer Außenminister werden.

Für Premier Beblawi ist die Regierungsbildung eine Gratwanderung. Er muss die liberalen Kräfte zufriedenstellen, aber auch die konservativen islamistischen von der Al-Nour-Partei. Auch der Muslimbruderschaft hatte er angeboten, sich an der Bildung des Kabinetts zu beteiligen. Doch die hatte das Angebot abgelehnt.

Dieser Beitrag lief am 14. Juli 2013 um 18:27 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 14.07.2013 18:19 Uhr

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