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Ausschreitungen am zweiten Jahrestag der Revolution
Mursi fordert zur Ruhe in Ägypten auf
Angesichts der gewalttätigen Ausschreitungen am zweiten Jahrestag der Revolution hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen. "Ich fordere alle Bürger auf, ihre Meinung im Sinne der noblen Prinzipien der ägyptischen Revolution friedlich und frei auszudrücken", schrieb der Präsident im Kurznachrichtendienst Twitter.
Mursi kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter an. "Die ägyptischen Behörden werden die Kriminellen jagen und sie vor Gericht bringen", versprach er. Außerdem werde alles getan, um friedliche Demonstrationen zu sichern und zu schützen. Zugleich kondolierte Mursi den Opfern der Gewalt.
Schwere Gewalt in der Stadt Suez
Proteste gab es in vielen Städten in Ägypten, mindestens sieben Menschen kamen nach Angaben von Nachrichtenagenturen ums Leben, mehr als 450 wurden verletzt. Besonders heftig waren die Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei offenbar in der Stadt Suez: Dort setzten Demonstranten ein Gebäude in Brand, in dem früher die Stadtverwaltung untergebracht war.
In der Nacht zum Samstag zogen Soldaten in Panzerfahrzeugen vor dem Gebäude auf. Der Sicherheitschef von Suez, Adel Refaat, sagte im Staatsfernsehen, er habe das Militär um Verstärkung gebeten. Die Unterstützung sei erforderlich, bis "diese schwierige Zeit" vorüber sei. Die Armee versicherte auf Flugblättern, der Einsatz werde nur vorübergehend sein, um die Sicherheit in Suez zu gewährleisten.
Regierungsgegner und Polizei lieferten sich auch in Kairo heftige Auseinandersetzungen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen Hunderte Demonstranten auf dem Tahrir-Platz ein. Diese schleuderten Brandsätze und Feuerwerkskörper auf die Einsatzkräfte und versuchten, eine zum Schutz von Regierungsgebäuden errichtete Absperrung zu durchbrechen.
In weiteren Städten kam es zu Protesten und Gewalt. In der nordöstlichen Stadt Ismailija steckten Demonstranten die örtliche Parteizentrale der Muslimbrüder in Brand. Wie ein AFP-Korrespondent berichtete, stieg schwarzer Rauch aus der Zentrale auf. Aus Alexandria wurden Zusammenstöße gemeldet. Weitere Proteste gab es in Ismailia und Port Said.
Tahrir-Platz 2011 und 2013
Der Tahrir-Platz ist heute wie 2011 das Zentrum der Demonstrationen. Oberes Bild: Tahrir-Platz am 25.01.2013. Unteres Bild: Der Platz am 8. Februar 2011
Die Opposition hatte anlässlich des zweiten Jahrestags des ägyptischen Volksaufstands zu landesweiten Protesten gegen Präsidenten Mursi und die Muslimbrüder aufgerufen.
Während der Revolution war der Tahrir-Platz Schauplatz des Aufstandes gegen Machthaber Husni Mubarak. Auch für die Demonstrationen gegen den jetzigen islamistischen Präsidenten Mursi ist der Tahrir-Platz zentraler Kundgebungsort. Mursis Kritiker werfen ihm vor, die Ziele der Aufständischen von 2011 verraten zu haben und zusammen mit den Muslimbrüdern Ägypten auf Kosten der säkularen Kräfte im Land dominieren zu wollen. Besonderer Streitpunkt ist die Verfassung, die im vergangenen Monat verabschiedet wurde und den Kritikern zufolge die Demokratie schwächt.
Muslimbrüder verzichteten auf Gegendemonstration
Die Muslimbrüder hatten unter Hinweis auf drohende Gewalt auf einen Aufruf zu einer Gegendemonstration verzichtet. Sie begingen den Jahrestag des Beginns der Revolution mit einer landesweiten Wohltätigkeitskampagne. Etwa eine Millionen Ägypter sollten Medikamente und Grundnahrungsmittel erhalten.
Tote bei heftigen Auseinandersetzungen auf Großkundgebung in Kairo
nachtmagazin 01:00 Uhr, 26.01.2013, Matthias Ebert, ARD Kairo
Stand: 26.01.2013 04:41 Uhr
