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10.02.2010

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Ägypten tötet wegen der Grippe alle Schweine
Vorsichtsmaßnahme der Regierung

Ägypten tötet wegen der Grippe alle Schweine

Aus Angst vor der Schweinegrippe werden in Ägypten rund 350.000 Schweine sterben: Kranke werden gekeult, Gesunde geschlachtet. Die Züchter protestieren, die Fleischereien fragen, wer all die Ware lagern und verkaufen soll. Die meisten Bürger halten die übertriebene Vorsorge für richtig, auch wenn von den Schweinen laut FAO keinerlei Gefahr ausgeht.

Von Esther Saoub, ARD-Hörfunkstudio Kairo

In den christlichen Armenvierteln Kairos herrscht Chaos: Hier leben Schweine und Menschen dicht nebeneinander. Fast jede Familie hat Schweine im Hinterhof. Das ist seit Jahrzehnten so und soll nun über Nacht ein Ende nehmen. Die Polizei ist aufmarschiert, das Gesundheitsministerium prüft die Tiere. Wenn es nach manchen Politikern ginge, wäre von den 350.000 Schweinen Ägyptens schon bald keines mehr am Leben.

Schweinegrippe als Grund nur vorgeschoben?

Ein ägyptischer Polizist mit Mundschutz vor einem Container mit Schweinen (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein ägyptischer Polizist mit Mundschutz vor einem Container mit Schweinen ]
"Keulen, keulen, keulen" war zunächst die lautstarke Forderung, doch der Gesundheitsminister hat sich nun fürs Schlachten entschieden. Alle gesunden Tiere sollen eingefroren und später verkauft werden. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) nennt diese Maßnahme einen Fehler: Schließlich handle es sich bei der Schweinegrippe nicht um eine Tierseuche, sondern um einen Virus, der von Mensch zu Mensch übertragen werde. Auch den Verzehr von Schweinefleisch erklärte die Organisation für absolut unbedenklich.

Kunden lassen sich nicht abschrecken

Diese Information hängt auch im Fenster der Metzgerei Morqos im Zentrum Kairos. In den Vitrinen des kleinen, penibel geputzten Ladens liegen Schinken, Salami, Mortadella und Würstchen. An der Wand hängen Schweinehälften. Schahata Girgis steht hier seit 40 Jahren hinter dem Tresen: "Wir spüren keine Auswirkungen, der Verkauf läuft wie immer. Die Kunden kommen. Es gibt kein Problem hier."

Ein ägyptischer Bauer in Kairo fängt eines seiner Schweine ein. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein ägyptischer Bauer in Kairo fängt eines seiner Schweine ein. ]
Der Fleischbetrieb Morqos war vor sechzig Jahren die erste ägyptische Firma, die in größerem Stil Schweinefleisch verarbeitet und vertrieben hat. Inzwischen gibt es drei weitere Großbetriebe. Ihnen allen droht das Aus, falls die Regierung Ernst macht und alle Schweine schlachten lässt. Hala Morqos, leitende Direktorin der Morqos-Lebensmittelfabrik, eilt dieser Tage von Sitzung zu Sitzung.

Schweinefleisch - gut und günstig

Zwischendrin hat sie kurz Zeit für ein Telefoninterview: "Viele hier im Land profitieren von den Schweinen. Als erstes die Christen natürlich, die das Fleisch essen. Dann ist da der Tourismus: Wir verkaufen an Hotels in Scharm el-Scheich und Hurgada. Außerdem ist Schweinefleisch sehr günstig, jeder kann es sich leisten."

Ein Kilo Schweinefilet kostet halb soviel wie das gleiche Stück vom Kalb. Für viele christliche Familien ist es das einzig erschwingliche Fleisch. Trotzdem würden alle den Beschluss in Kauf nehmen, wenn damit wirklich eine Pandemie verhindert werden könnte, sagt Morqos.

Das Erbgut der Tiere soll überleben

Doch der Gesundheitsminister selbst sagt, dass die Grippe nicht von den Schweinen herrührt. Hala Morqos kommen daher Zweifel: "Diese Entscheidung ist unnötig. Wenn wir die Industrie weiter entwickeln wollen, sollten wir die Ställe verlegen, raus aus der Stadt. Davon reden wir seit drei Jahren, seit die Vogelgrippe um sich greift, aber nichts ist passiert." Diese unnötige Entscheidung sei eine Katastrophe. Es gebe im Land keinen einzigen Grippe-Fall und in Mexiko und den USA sei kein einziges Schwein getötet worden.

Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums verbreitete unterdessen eine tröstliche Nachricht: Wenn alle Schweine getötet würden, werde man das Erbgut der Tiere konservieren. Sobald außerhalb der Stadt moderne Ställe stünden, könnten dann dort wieder original ägyptische Schweine gezüchtet werden.

Stand: 30.04.2009 22:01 Uhr
 

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