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Zehntausende Islamisten demonstrieren für den Präsidenten
"Wo soll Mursis Alleinherrschaft sein?"
Ägyptische Salafisten und Anhänger der Muslimbruderschaft haben in Kairo gemeinsam für Staatspräsident Mursi demonstriert. Dessen Gegner führten einen regelrechten Krieg gegen ihn, sagten Mursis Anhänger. Dabei wolle er doch mit allen Ägyptern gemeinsam die Probleme des Landes lösen.
Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo
"Wir wollen unser Land islamisch", rufen die bärtigen Demonstranten immer wieder im Chor. Der Mann, der die Parolen über ein Megaphon vorgibt, ist ein Scheich. Auch Ägyptens Salafisten beteiligten sich mit einem Protestmarsch an den Solidaritätskundgebungen für Präsident Mohammed Mursi.
Vor der Universität in Kairo trafen sie auf die noch zahlreicheren Anhänger der Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi stammt. Unzählige Plakate mit seinem Konterfei wurden in die Höhe gereckt, ägyptische Flaggen geschwenkt.
Islamisten demonstrieren für Mursi
C. Wegerhoff, ARD Kairo
01.12.2012 16:27 Uhr
Zehntausende Ägypter stärken Mursi den Rücken
Zehntausende Menschen demonstrierten seit den Mittagsstunden vor der Universität. Sie wollen damit ihrem seit Tagen in der Kritik stehenden Präsidenten den Rücken stärken. Mursi hatte per Dekret seine Machtbefugnisse nahezu unbegrenzt erweitert und sich über die ägyptische Justiz gestellt. Erst gestern hatten deshalb wieder über 150.000 Menschen auf dem Tahrir-Platz gegen den Präsidenten protestiert.
"Seit Dr. Mohammed Mursi vor fünf Monaten die Macht übernommen hat, führen diese Leute einen regelrechten Krieg gegen ihn", kritisierte ein Mursi-Anhänger die gegnerischen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. "Er hat sie sogar im Präsidentenpalast empfangen und ihnen gesagt: 'Kommt, Leute, wir wollen die Probleme gemeinsam lösen. Lasst uns Ägypten zuliebe zusammenstehen, um Ehre und Freiheit willen.' Aber die behaupten, die Islamisten und die Muslimbruderschaft beherrschen den Staat. Ich würde gern mal wissen, wo diese Alleinherrschaft ist."
Mursi-Anhänger wollen Konflikte mit Gegnern vermeiden
Ein anderer Teilnehmer des Protests meinte, es gehe zu weit, dass die Liberalen den Präsidenten als neuen Diktator Ägyptens beschimpften: "Mursi hat sich mit der Mehrheit aller politischen Parteien an einen Tisch gesetzt. Hat Mubarak das je getan? Bei ihm konnte niemand auch nur seine Meinung sagen."
"Gemeinsam für die Rettung der Revolution" stand auf etlichen Spruchbändern zu lesen. Zunächst hatten die Islamisten deshalb auch geplant, auf dem Tahrir-Platz zu demonstrieren, dem Symbol der ägyptischen Revolution. Um ein Aufeinandertreffen mit den dort immer noch verweilenden Tausenden Mursi-Gegnern zu vermeiden, verlegte die Muslimbruderschaft ihre Massenproteste jedoch schließlich zur Universität. "Wir wollen Konflikte vermeiden", hieß es. Doch nicht alle Islamisten, die heute demonstrieren, kamen in rein friedlicher Absicht.
"Wir wollen eine Herrschaft im Sinne des Korans"
"Wir von der Muslimbruderschaft stehen hinter dem Präsidenten", sagte ein Demonstrant kämpferisch. "Und ich sage laut und deutlich: 'Wir werden hier schlafen, wir werden hier sterben und wenn wir wollen, gehen wir auch zum Tahrir.'"
Auch wenn zwischen dem Tahrir-Platz und der Universität der Nil liegt - mit Wut im Bauch sei der maximal 30-minütige Fußmarsch zwischen den beiden Demonstrationsorten schnell hinter sich zu bringen, befürchten viele Ägypter. Doch bislang, so berichteten Medien, gab es keine gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Demonstrationen für und gegen Mursi in Ägypten
tagesschau 20:00 Uhr, 01.12.2012, Jörg Armbruster, ARD Kairo
Dass sich die angespannte Lage blitzschnell ändern kann, bewiesen kleinere Gruppen langbärtiger Männer vor dem Gebäude des ägyptischen Staatsfernsehens, das auf der Nil-Seite liegt, auf dem sich der Tahrir-Platz befindet. Mit Taxis und Mopeds kamen sie über eine Brücke.
"Wir wollen eine Herrschaft im Sinne des Korans", riefen die Islamisten. Und für die Journalisten, die das ganze filmten, hatten sie auch gleich einen Slogan parat: "Das Volk will die Säuberung der Medien."
Stand: 01.12.2012 17:38 Uhr
