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Krawalle auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Anhänger und Gegner Mursis treffen aufeinander

200 Verletzte nach Krawall auf dem Tahrir-Platz

Rund 100 Tage nach dem Amtsantritt des ägyptischen Präsidenten Mursi ist es zu den bislang schwersten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des neuen Staatschefs gekommen. Steine und Brandsätze flogen, es gab Hunderte Verletzte. Die Polizei griff nicht ein. Inzwischen hat sich die Lage aber beruhigt.

Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Ein Verletzter wird auf dem Tahrir-Platz weggetragen.
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Rund Hundert Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt.

Nach Einbruch der Dunkelheit zündeten Demonstranten zwei Busse an, in denen Mitglieder der Muslim-Bruderschaft zum Tahrir-Platz gekommen waren. Die Fahrzeuge waren leer, weshalb niemand zu Schaden kam. Trotzdem meldeten ägyptische Behörden, dass die Zahl der Verletzten bei mehr als hundert liegt. In aktuellen Medienberichten war die Rede von 200 Verletzten.

Es waren die schwersten Auseinandersetzungen in Kairo, seit Mohammed Mursi vor gut drei Monaten sein Amt als Staatspräsident Ägyptens angetreten hat. Politische Gegner Mursis, die so genannte Protest-Jugend aus liberalen und linken Gruppen - hatten schon vor längerer Zeit für gestern eine Demonstration auf dem Tahrir-Platz angemeldet. Sie wollten dagegen protestieren, dass Ägypten - ihrer Meinung nach - zunehmend islamistischer wird. Und sie beklagen, wie dieser Mann, dass Mursi sie nicht repräsentiere: "Wenn Du nur Präsident der Muslim-Bruderschaft bist, Mursi - vielen Dank."

Erneut Straßenschlachten in Kairo
B. Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo
13.10.2012 08:18 Uhr

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Islamisten reklamieren Platz der Revolution

Aber auch Anhänger Mursis - überwiegend Islamisten der Muslim-Bruderschaft - beanspruchten plötzlich den Tahrir: Sie hatten kurzfristig zu einer Demonstration aufgerufen. Als sie dann eine Bühne zerstörten, die dem Anti-Mursi Lager gehörte, eskalierte die Auseinandersetzung. Molotowcocktails flogen und Steine. Die einen gingen mit Eisenstangen und Knüppeln auf die anderen los. Die Islamisten schrien "Mursi ist der Präsident der Republik".

Die Protestjugend hielt dagegen - mit Parolen wie: Das Volk will das (islamistische) System stürzen. Sicherheitskräfte waren nicht zu sehen. Seit dem Sturz von Diktator Hosni Mubarak, den ebenfalls Proteste auf dem Tahrir-Platz auslösten, hält sich die Polizei zurück, sobald sie in Gefahr ist, zwischen den Fronten aufgerieben zu werden.

Anhänger und Gegner von Mursi liefern sich Straßenschlachten nach Kundgebung
tagesschau24 17:00 Uhr, 13.10.2012, Thomas Stephan, ARD Kairo

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Linke und Islamisten gegen Skandal-Urteil

Das Problem: Die Proteste der Islamisten waren kurzfristig anberaumt worden - als Demonstration gegen ein Urteil, das, so paradox es klingt, auch die Linken und Liberalen ablehnen: Beide Seiten wenden sich nämlich gegen einen Freispruch für 24 Funktionäre des im Frühjahr 2011 abgesetzten Regimes von Hosni-Mubarak.

Die 24 hatten vor Gericht gestanden, weil ihnen vorgeworfen wurde, im Februar des vergangenen Jahres einen Angriff berittener Schlägertrupps auf Demonstranten organisiert zu haben - ein Fall, der als Kamel-Schlacht traurige Berühmtheit erlangte. Präsident Mursi wollte den Generalstaatsanwalt, dem unterstellt wird, er habe allzu weich gegen die Beschuldigten Klage geführt, nach dem Urteil feuern.

Aber Ägypten Chefankläger weigert sich zu gehen - mit dem Hinweis darauf, dass Mursi ihn gar nicht entlassen könne, wegen der Unabhängigkeit der Justiz. Präsident Mursi kündigte gestern Abend an, den Fall Kamel-Schlacht neu aufrollen lassen zu wollen.

Weitere Auseinandersetzungen befürchtet

So oder so: Offiziell sagen die Islamisten auf dem Tahrir, dass ihnen das nicht reiche - wie auch der Revolutionsjugend. Deren Vertreter aber behaupten, die Islamisten seien nicht eingeladen gewesen; sie hätten vielmehr den Tahrir-Platz für ihre Zwecke - die Unterstützung von Präsident Mursi gekidnappt. Der Freispruch für die 24 Mubarak-Leute sei bloß ein Vorwand gewesen. Mit ihrem Erscheinen auf dem Tahrir-Platz aber hätten die Islamisten Lunte an eine Bombe gelegt.

Generalstaatsanwalt Mahmud Abdel-Meguid Mahmoud (Archiv).
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Generalstaatsanwalt Mahmoud wurde von Mursi entlassen.

Proteste nach einem Urteil gegen 24 Funktionäre des Mubarak-Regimes (11.10.2012)
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Bereits am Donnerstag gab es im Umfeld des Urteils Proteste.

Dieser Beitrag lief am 13.Oktober 2012 um 09:20 Uhr auf NDR Info.

Stand: 13.10.2012 08:42 Uhr

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