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Ein Demonstrant vor einem brennenden Bus der Muslimbruderschaft auf dem Tahrir-Platz

Islamisten gegen Linke

Wieder Straßenschlachten auf dem Tahrir-Platz

Islamisten und Vertreter von Parteien aus dem linken und liberalen Spektrum haben sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo eine Straßenschlacht geliefert. Mit Stöcken und Eisenstangen gingen sie aufeinander los. Steine und Brandsätze flogen, es gab viele Verletzte. Die Polizei griff nicht ein.

Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Gerade hatten Bauarbeiter damit begonnen, den Tahrir neu zu pflastern. Sie hatten die Verkehrsinsel in der Mitte des Platzes mit Rollrasen ausgelegt und Blumen gepflanzt. Nun kam es wieder zu Protesten und Ausschreitungen. Am Morgen hatten einige Gruppen der so genannten Revolutionären Jugend aus dem linken und liberalen Spektrum auf dem Platz Tribünen errichtet - für ihre seit Wochen geplante Demonstration gegen den islamistischen Präsidenten Ägyptens, Mohammed Mursi, und dessen Politik.

Sie unterstellen Mursi, er mache aus Ägypten einen Staat der Muslim-Bruderschaft - der Organisation, der der Präsident entstammt. Sie beklagen, der erste Verfassungsentwurf, der mittlerweile vorliegt, sei eine Zumutung und könne Ägypten in einen islamistischen Staat verwandeln.

Erneut Straßenschlachten auf dem Tahrir-Platz
B. Blaschke, ARD Kairo
12.10.2012 18:14 Uhr

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Im Laufe des Tages heizte sich die Stimmung auf

Dann kamen auch Demonstranten verschiedener Islamisten-Bewegungen auf den Tahrir. Sie stürmten die Hauptbühne, es kam zu Rangeleien. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen. Die Islamisten schrien "Mursi ist der Präsident der Republik" und drängten die Protestjugend in Seitenstraßen ab. Im Laufe des Tages heizte sich die Stimmung auf, bis am Nachmittag vereinzelte Brandsätze und Steine flogen, die gerade neu verlegt worden waren. Die Islamisten wurden nun von ihren Gegnern verjagt - mit Parolen wie "Das Volk will das (islamistische) System stürzen".

Ein großes, lautstarkes Hin und Her, in dem keine Sicherheitskräfte zu sehen waren. Seit dem Sturz von Diktator Hosni Mubarak, der ebenfalls von Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz ausging, hält sich die Polizei zurück, sobald sie in Gefahr ist, zwischen den Fronten aufgerieben zu werden.

Das Problem: Die Proteste der Islamisten waren kurzfristig anberaumt worden als Demonstration gegen ein Urteil, das - so paradox es klingt - auch die Linken und Liberalen ablehnen. Beide Seiten wenden sich gegen einen Freispruch für 24 Funktionäre des im Frühjahr 2011 abgesetzten Regimes von Mubarak.

Auch Brandsätze wurden geworfen.
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Auf dem Tahrir-Platz flogen Brandsätze und Steine.

Ein Verletzter wird auf dem Tahrir-Platz weggetragen.
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Dutzende wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt.

Freispruch für Mubarak-Funktionäre nur ein Vorwand?

Die 24 hatten vor Gericht gestanden, weil ihnen vorgeworfen wurde, im Februar des vergangenen Jahres einen Angriff berittener Schlägertrupps auf Demonstranten organisiert zu haben. Der Generalstaatsanwalt, dem unterstellt wird, er habe allzu weich gegen die Beschuldigten Klage geführt, wurde nach dem Urteil gefeuert.

Durch den Direktor seines Büros ließ Präsident Mursi bekanntgeben, der Generalstaatsanwalt, sei entlassen - und er werde abgeschoben. Mursi erklärte ihn zum neuen ägyptischen Botschafter im Vatikan. Außerdem ordnete er an, ein Gesetz zum Schutz der Revolutionäre vom Frühjahr 2011 auszuarbeiten.

Offiziell sagen die Islamisten auf dem Tahrir, dass ihnen das nicht reiche. Ebenso die Revolutionsjugend. Deren Vertreter aber behaupten, die Islamisten seien nicht eingeladen gewesen. Sie hätten vielmehr den Tahrir-Platz für ihre Zwecke - die Unterstützung von Präsident Mursi - genutzt. Der Freispruch für die 24 Mubarak-Leute sei bloß ein Vorwand gewesen. Mit ihrem Erscheinen auf dem Tahrir-Platz aber hätten die Islamisten Lunte an eine Bombe gelegt.

Generalstaatsanwalt Mahmud Abdel-Meguid Mahmoud (Archiv).
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Generalstaatsanwalt Mahmoud wurde von Mursi entlassen.

Proteste nach einem Urteil gegen 24 Funktionäre des Mubarak-Regimes (11.10.2012)
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Bereits am Donnerstag gab es im Umfeld des Urteils Proteste.

Gewaltsame Zusammenstöße in Kairo
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2012

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Stand: 12.10.2012 19:58 Uhr

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