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Proteste gegen anti-islamischen Film in Kairo und Libyen
Ein Toter bei Sturm auf US-Vertretungen
Aus Protest gegen einen islamfeindlichen Film haben Demonstranten in Ägypten und Libyen US-Vertretungen gestürmt. In der libyschen Stadt Bengasi kam ein amerikanischer Diplomat ums Leben, als Demonstranten Schüsse abgaben und das US-Konsulat niederbrannten. In Kairo stürmten Demonstranten auf das Botschaftsgelände, rissen die US-Flagge herunter und hissten eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift.
Konsulat in Bengasi abgebrannt
In Bengasi feuerten die Angreifer nach Angaben von Augenzeugen automatische Waffen und Granaten auf das Konsulat ab. Ein Großteil des Gebäudes brannte nieder. Ein Amerikaner wurde erschossen, ein zweiter an der Hand verletzt, wie ein Mitarbeiter des Innenministeriums in Bengasi erklärte. Die Ausschreitungen hätten etwa drei Stunden gedauert, danach habe sich die Lage beruhigt. "Die libyschen Sicherheitskräfte gerieten unter heftiges Feuer und waren auf die Intensität des Angriffs nicht vorbereitet", sagte ein Sprecher von Libyens Oberstem Sicherheitskomitee.
US-Regierung verurteilt Angriffe
US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte die Angriffe und erklärte, sie habe mit dem libyschen Präsidenten Mohammed al Megarif telefoniert, um den Schutz von Amerikanern in Libyen zu koordinieren. Clinton zeigte sich besorgt, dass die Proteste sich auf andere Länder ausweiten könnten. Die USA arbeiteten mit Partnern in der ganzen Welt zusammen, "um unsere Mitarbeiter, unsere Missionen und amerikanische Bürger weltweit zu schützen".
Proteste in Kairo und Bengasi gegen US-Einrichtungen
B. Blaschke, ARD Kairo
12.09.2012 05:33 Uhr
Das ägyptische Außenministerium versicherte in einer Stellungnahme, es werde die diplomatischen Vertretungen sichern. Nach Angaben der libyschen Behörden besteht ein Zusammenhang zwischen den Protesten in Kairo und Bengasi. Dagegen sagte ein US-Regierungsvertreter in Washington, er habe keinen Grund anzunehmen, dass es zwischen beiden Vorfällen eine Verbindung gebe.
Umstrittener Film in den USA produziert
Die Proteste entzündeten sich an einem Film über den Propheten Mohammed, den ein Amerikaner in Kalifornien produzierte. In dem Film, von dem Ausschnitte im Internet bei Youtube zu sehen sind, wird der Prophet bei sexuellen Handlungen gezeigt und seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort angezweifelt. Zudem wird er als Kinderschänder und Mörder dargestellt.
Sam Bacile, der Amerikaner, der nach eigenen Angaben das Drehbuch für den zweistündigen Film schrieb, ihn produzierte und auch Regie führte, sagte, er habe mit solch einer Reaktion nicht gerechnet. "Es tut mir leid für die Botschaft", erklärte er. "Ich bin wütend." Er sei Jude und kenne die Region. Der vollständige Film sei noch nicht gezeigt worden. Der 52-Jährige wolle seine Sicht zeigen, dass der Islam eine hasserfüllte Religion sei, zitiert das Blatt aus einem Telefoninterview. "Islam ist wie Krebs", sagte Bacile demnach.
Produktion kostete angeblich fünf Millionen Dollar
Bacile sagte dem "Wall Street Journal", an dem zweistündigen Film seien rund 60 Schauspieler und eine 45 Mann starke Crew beteiligt gewesen. Um die Produktion zu finanzieren, habe er fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) von rund Hundert jüdischen Spendern eingesammelt. Die Arabische Liga verurteilte den Film und erklärte laut der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena, darin werde der Prophet Mohammed "beleidigt".
Stand: 12.09.2012 09:11 Uhr
