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Eine ägyptische Tageszeitung von gestern -  mit hinweis auf den heutigen Streik

Medienstreik gegen neue Verfassung

"Hier ist das Leichentuch der Pressefreiheit"

In Ägypten sind zahlreiche Journalisten aus Protest gegen den neuen Verfassungsentwurf in den Streik getreten. Sie befürchten eine Einschränkung der Pressefreiheit. Zahlreiche unabhängige Tageszeitungen erschienen heute nicht. Die Opposition rief erneut zu Demonstrationen auf.

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo

An den ägyptischen Zeitungsständen klaffen große Lücken: Mehr als zehn unabhängige Tageszeitungen sind heute nicht erschienen. Mit einem riesigen, rot gedruckten "Laa", "Nein" hatten die Verleger und Redakteure schon gestern ihren Streik angekündigt. "Nein zur Diktatur", so die einheitliche Schlagzeile. Daneben das Bild einer in Zeitungspapier eingewickelten Mumie, die bewegungsunfähig auf dem Boden liegt.

"Wir streiken, weil es in der geplanten neuen Verfassung Paragrafen gibt, die die Pressefreiheit einschränken", so der Vorsitzende der ägyptischen Journalistengewerkschaft Gamal Fahmy. "Die Islamisten haben es auch abgelehnt, das Gesetz über die mögliche Inhaftierung von Journalisten abzuschaffen. Ägypten und nur noch vier andere Länder weltweit drohen der Presse mit Freiheitsentzug."

Trauertag ägyptischer Medien

Medien in Ägypten
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Aus Protest gegen die Artikel zur Presse im Entwurf für die neue ägyptische Verfassung sind mehrere Zeitungen nicht erschienen.

Schon gestern Abend erloschen aus Protest auch vorübergehend die Nachrichten einiger ägyptischer Online-Dienste. Seither arbeiten sie eingeschränkt. Die Internet-Seiten selbst sind nur noch schwarz-weiß. Denn heute sei ein Trauertag für die ägyptischen Medien, so unter anderem das Nachrichtenportal "Masrawi". Auch die Bürger sollten heute schwarze Kleidung tragen.

"Dies ist nicht etwa der Kampf der Liberalen gegen den Islam oder die Scharia", heißt es in einer Erklärung. "Es ist auch keine geplante Kampagne, um den Präsidenten zu stürzen, der nach 60 Jahren erstmals frei von den Ägyptern gewählt wurde. Es ist aber ein lauter Schrei des Volkes, in dem Freiheit und Ehre geweckt wurden, als es seinen ehemaligen Diktator stürzte. Wir wollen nicht glauben, dass die Freiheit der ägyptischen Medien nun noch mal in Frage gestellt wird. Wir wehren uns dagegen, dass sich Ägypten erneut in einen diktatorischen Staat verwandelt."

"Und hier nun die Muslimbrüder-Nachrichten"

So wie einst der gestürzte Präsident Mubarak missbrauchten die Islamisten die staatliche Presse für Propaganda-Zwecke, beschweren sich auch zahlreiche ägyptische Medienpersönlichkeiten. Die bekannte Nachrichtenmoderatorin Botheina Kamel wagte es sogar, im ersten Kanal des ägyptischen Staatsfernsehens genau das auszusprechen, was die meisten ihrer Kollegen und auch die Zuschauer seit Wochen immer öfter denken: "Und hier nun die Muslimbrüder-Nachrichten", textete Kamel ohne mit der Wimper zu zucken.

Medienstreik gegen Mursi
C. Wegerhoff, ARD Kairo
04.12.2012 12:05 Uhr

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Danach verlas sie die auffallend ausführlichen Nachrichten über Solidaritätskundgebungen der Islamisten für Mursi. Und leitete dann ironisch über: "Und hier noch eine kleinere Sache vom Tahrir-Platz." Dort protestieren seit zwölf Tagen die Mursi-Gegner. In den staatlichen Medien ist das kaum noch der Rede wert.

"Moral und die Freiheit der staatlichen Medien zu Grabe getragen"

Hala Fahmy, eine andere beliebte Moderatorin, nutzte ihre abendliche Talkshow im Staatsfernsehen, um vor laufender Kamera eines der in Ägypten typischen Leichentücher auszubreiten. "Ich habe heute ein Totentuch mitgebracht, denn wir können die Moral und die Freiheit der staatlichen Medien zu Grabe tragen", so Fahmy. "Diese Medien sind gegen das Volk. Sie berichten nur über das, was die Islamisten sagen. Und die rufen nach der Scharia und nach einem Bürgerkrieg gegen die Revolutionäre auf dem Tahrir-Platz. Der Herrscher akzeptiert das. Und er ruft zu einer Volksabstimmung der Knechte." Kurz nach dieser Erklärung wurde die Talkshow von Hala Fahmy abgebrochen. Sie und ihre Kollegin wurden inzwischen vom Dienst suspendiert.

Die privaten ägyptischen Fernsehsender haben ihren ebenfalls für heute geplanten Streik unterdessen verschoben. Denn schon am Nachmittag könnte sich die Lage in Ägypten weiter dramatisch verschärfen. Und dann werde es wichtig, sein, dass sich die Menschen im Land umfassend informieren können, so die Verantwortlichen. 

Lage zwischen Liberalen und Islamisten bleibt angespannt
ARD-Morgenmagazin 07:00 Uhr, 04.12.2012, Karin Feltes, SWR

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Stand: 04.12.2012 14:08 Uhr

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