Seitenueberschrift

Massendemonstrationen in Ägypten.

Massenproteste in Ägypten

Demonstranten fordern Mursis Sturz

In Ägypten wächst der Zorn auf Präsident Mursi, der mit umstrittenen Dekreten seine Macht ausgeweitet hat. Die Szenen auf dem Tahrir-Platz in Kairo erinnern inzwischen an die Proteste vor dem Sturz von Ex-Machthaber Mubarak. Noch gibt Mursi sich unbeeindruckt und setzt auf seine Anhänger.

Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Es ist ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel, das sich bereits seit Stunden hinzieht: In einer kleinen Straße, die den Tahrir-Platz und die US-Botschaft verbindet, werfen ein paar Dutzend jugendliche Randalierer immer wieder Steine auf die Sicherheitskräfte - ägyptische Polizisten, die zum Schutz des diplomatischen Gebäudes abgestellt sind. Kommen die Steinewerfer ihnen zu nahe, drängen die Sicherheitskräfte sie zurück und schießen mit Tränengas.

Manchmal gelingt es den Jugendlichen, die Tränengas-Kartuschen zurückzuwerfen - unter lautem Applaus ihrer Mitstreiter. Dass dieses Hin-und-Her nicht gefahrlos ist, wurde gestern Abend deutlich: Ein Mann starb - es heißt, an Herzversagen, nachdem er zu viel Tränengas geatmet habe.

Aktuelle Lage in Ägypten
B. Blaschke, ARD Kairo
28.11.2012 13:09 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Kritik an US-Botschaft

Die US-Botschaft ist Ziel dieses kleineren Protestes im ansonsten wieder normalen Alltag von Kairo, weil der amerikanischen Regierung unterstellt wird, sie habe sich auf die Seite von Präsident Mohammed Mursi geschlagen.

Proteste in Ägypten gegen Präsident Mursi gehen weiter
tagesschau 17:00 Uhr, 28.11.2012, Thomas Aders, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Maßgeblich durch Vermittlung ägyptischer Unterhändler war kürzlich nach mehr als einer Woche heftiger Kämpfe zwischen Palästinensern und Israelis eine Feuerpause zustande gekommen. Eine Rolle, die die Amerikaner sehr begrüßten.

Die Demonstranten meinen nun, dass die Amerikaner Mursi danken, indem sie ihm grünes Licht gaben für seine umstrittenen Dekrete: In ihnen hat sich der Islamist unter anderem Immunität verliehen und die Verfassungskommission für unauflösbar erklärt - eine Verfassungskommission, die von Islamisten dominiert wird.

Dieselben Parolen wie im Frühjahr 2011

Gegen die Dekrete gingen am Dienstag Hunderttausende Menschen im ganzen Land auf die Straße. Bei manchen Protesten gab es Verletzte, zum Beispiel in der Industriestadt Mahalla. Dort hatten Gegner von Präsident Mursi eine Zentrale der Muslimbruderschaft stürmen wollen, der islamistischen Organisation, aus der Mursi hervorging. Anhänger Mursis bildeten eine Menschenkette. Die Sicherheitskräfte gingen zwischen die Fronten und etwa 100 Menschen erlitten Verletzungen.

Proteste auf dem Tahrir-Platz
galerie

Im ganzen Land hatten am Dienstag Hunderttausende Menschen gegen Mursi demonstriert - hier auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Dabei war es weitgehend friedlich geblieben.

Auf dem Tahrir-Platz, im Zentrum von Kairo, blieb es hingegen friedlich: Mehrere Hunderttausend Menschen kamen zusammen, um ihren Protest herauszuschreien. Die Parolen waren dieselben wie im Frühjahr des vergangenen Jahres, als Diktator Hosni Mubarak gestürzt wurde.

Mursi unbeeindruckt zwischen den Fronten

Bisher zeigt sich Präsident Mursi davon jedoch unbeeindruckt. Zwar soll eine Krisensitzung auf die nächste folgen, aber noch ist das offizielle Politik, was Mursis Sprecher, Rifaa al Tahtawi, am Dienstagabend erklärte: "Die Umfragen haben gezeigt, dass eine große Basis in der Bevölkerung die Entscheidungen des Präsidenten unterstützt."

"Mit allem Respekt für unsere Brüder auf dem Tahrir - und ich zweifele nicht daran, dass sie patriotisch sind und für das Gemeinwohl arbeiten -, aber ich muss sagen, dass es viele Ägypter gibt, die die Entscheidungen des Präsidenten decken und bereit sind, auch auf die Straße zu gehen."

Thomas Aders (ARD) zur möglichen vorgezogenen Verfassungsabstimmung
tagesschau 17:00 Uhr, 28.11.2012

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Was passiert, wenn Mursi weiter unter Druck gerät?

Und das wirft eine wichtige Frage auf: Wie werden sich die Anhänger von Präsident Mursi weiter verhalten? Ihre ursprünglich ebenfalls für Dienstag geplante Demonstration in Kairo war plötzlich abgesagt worden - wohl aus Angst vor Straßenschlachten zwischen beiden Lagern.

Aber: Werden die Islamisten auch in den nächsten Tagen Besonnenheit zeigen, wenn ihr Präsident weiter unter Druck gerät? Oder werden sie bei der nächsten Massenkundgebung der Mursi-Gegner aktiv? Kommenden Freitag könnte sich das zeigen: Dann wollen die sogenannten liberalen Kräfte wieder auf den Tahrir kommen.

Stand: 28.11.2012 13:46 Uhr

Darstellung: