Ausschreitungen in Kairo (Bildquelle: dapd)

Ausschreitungen in Ägypten "Die Stimme der Straße wird lauter"

Stand: 27.01.2013 14:00 Uhr

Erneute Ausschreitungen in Ägypten: Am Rande einer Trauerkundgebung für die Opfer der tödlichen Krawalle kam es in Port Said zu Zusammenstößen mit der Polizei. Dabei wurden mehr als hundert Menschen verletzt. Auch in Kairo gab es erneut Krawalle. Die Opposition fordert Präsident Mursi auf, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden.

Von Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Mehr als 30 Tote, fast 400 Verletzte - so lautet die offizielle Bilanz der Ausschreitungen nach den Todesurteilen für 21 Männer, die mitverantwortlich sein sollen für die Gewalt nach einem Fußballspiel vor knapp einem Jahr.

Inzwischen mehrt sich die Kritik an den Urteilen: "Die wirklichen Verantwortlichen für die Gewalt müssten gefunden werden", sagt ein Passant in Kairo. "Die Untersuchungskommission hat die Beweise geprüft, sie muss sagen, wer wirklich hinter alldem steckt, ob Leute vom Innenministerium, von der Regierung, Anhänger des alten Mubarak-Regimes oder wer auch immer. Wir müssen die Hauptakteure finden und nicht nur die jungen Leute hinrichten und damit ist die Sache abgeschlossen."

Anhaltende Ausschreitungen in Ägypten
H. M. Ehl, ARD Kairo
27.01.2013 18:41 Uhr

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Weitere Ausschreitungen in der Nacht

Soldaten der ägyptischen Armee in Suez . (Bildquelle: AFP)
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Ägyptische Soldaten in Suez: Nach Krawallen in der Nacht blieb es am Morgen vorerst ruhig.

Vor allem in Kairo, aber auch in anderen Städten, gab es in der Nacht weitere Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Vereinzelt kam es erstmals auch zu Gewalt zwischen Anhängern des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi und oppositionellen Demonstranten, wie in Zagazig im Nildelta.

Vertreter der Muslimbruderschaft werfen der Opposition vor, die Gewalt der vergangenen Tage zu unterstützen. Oppositionsparteien ihrerseits machen Präsident Mursi und seine Regierung für die Eskalation verantwortlich.

Opposition fordert Regierung der nationalen Einheit

Das größte Oppositionsbündnis, die Nationale Heilsfront, hat einen Forderungskatalog aufgestellt, um die aktuelle Krise zu beenden: "Wir fordern eine Untersuchungskommission, die die Täter der Gewalt von gestern zur Rechenschaft zieht", sagt Khaled Daoud von der Nationalen Heilsfront.

Der Präsident solle eine Regierung der nationalen Einheit bilden, um die sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen. "Wir haben den Ägyptern vor zwei Jahren soziale Gerechtigkeit versprochen, nichts ist bisher umgesetzt worden", sagt Daoud. "Die Verfassung muss zurückgezogen werden und die Muslimbrüder müssen sich an die Gesetze halten wie alle anderen."

Blutige Krawalle in Ägypten nach Todesstrafe für Fußballfans
B. Blaschke, ARD Kairo
27.01.2013 07:25 Uhr

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"Die Stimme der Straße wird lauter"

Sollte der islamistische Präsident weiterhin einen echten und gleichberechtigten Dialog mit der Opposition verweigern, sei man entschlossen, die in einigen Monaten anstehenden Parlamentswahlen zu boykottieren, sagt auch Abdullah al Moghazi von der oppositionellen Wafd-Partei: "Wenn unsere legitimen Forderungen nicht erfüllt werden, werden wir die Parlamentswahl boykottieren und fordern vorgezogene Präsidentschaftswahlen."

Die Krise werde eskalieren, so Moghazi. "Wenn das Regime nicht begreift, wie gefährlich die aktuelle Krise ist, werden die Dinge außer Kontrolle geraten, weil die Stimme der Straße immer lauter wird. Niemand kann dann mehr behaupten, dass er diese Stimme nicht hören kann."

68 Menschen bei Protesten festgenommen
tagesschau 16:57 Uhr, 27.01.2013

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