Eine Überlebende des ägyptischen Angriffs auf eine mexikanische Touristengruppe. | Bildquelle: AFP

Touristin schildert Beschuss in Ägypten "Drei Stunden aus der Luft bombardiert"

Stand: 18.09.2015 08:51 Uhr

Eine Mexikanerin, die den Angriff ägyptischer Sicherheitskräfte auf zwölf Touristen überlebt hat, hat schwere Vorwürfe erhoben. Polizisten hätten die Gruppe mehrfach kontrolliert und gewusst, wo sie sich aufgehalten habe. Die Touristen seien stundenlang bombardiert worden.

Eine Mexikanerin, die den versehentlichen Beschuss einer Touristengruppe durch ägyptische Sicherheitskräfte überlebt hat, hat schwere Vorwürfe erhoben. "Wir wurden ungefähr fünf Mal bombardiert, immer aus der Luft", zitierte die mexikanische Zeitung "El Universal" Susana Calderón.

Der Angriff am Sonntag habe insgesamt etwa drei Stunden gedauert. "Es gab keinen Ort, an dem man sich verstecken konnte, keinen Ort, an den man fliehen konnte", berichtete die Überlebende. Calderón wurde bei dem Vorfall in der Westlichen Wüste an beiden Armen verletzt. Ihr Mann Luis Barajas starb kurz nach dem Angriff. "Ich habe meinen Mann gesehen, als sie mich auf eine Bahre gelegt haben, um mich ins Krankenhaus zu bringen", sagte die Mexikanerin vom Krankenbett in einem Vorort von Kairo der Zeitung. "Ich habe ihn sagen hören, dass er mich liebt, ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Und dann kam nichts mehr von ihm."

Mehrfach kontrolliert

Die Darstellung der ägyptischen Behörden, dass sich ihre Reisegruppe in einer verbotenen Zone befunden habe, wies Calderón zurück. Auf der Tour hätten Beamte zwei Mal ihre Papiere kontrolliert und sie dann passieren lassen.

Der ägyptische Präsident al-Sisi versprach der mexikanischen Außenministerin Claudia Ruiz Massieu Aufklärung. | Bildquelle: REUTERS
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Der ägyptische Präsident al-Sisi versprach der mexikanischen Außenministerin Claudia Ruiz Massieu Aufklärung.

Ägyptische Polizisten und Soldaten hatten am Sonntag bei der vermeintlichen Verfolgung von islamistischen Kämpfern in der Westlichen Wüste versehentlich einen Konvoi von mexikanischen Touristen und ihren ägyptischen Begleitern beschossen. Bei dem Angriff wurden nach Angaben der ägyptischen Behörden insgesamt zwölf Menschen getötet, darunter acht Mexikaner. Zehn weitere Menschen wurden verletzt.

Mexikos Außenministerin Claudia Ruiz Massieu war am Dienstag nach Kairo gereist, um Aufklärung über den Vorfall zu verlangen. Auf dem Rückflug nahm sie die insgesamt sechs verletzten Mexikaner - fünf Frauen und einen Mann - mit in die Heimat. Die Leichen der Todesopfer sollen nach Mexiko übergeführt werden, sobald sie in Ägypten freigegeben werden.

Ägypten verspricht Aufklärung

Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri sagte eine "tiefgreifende und transparente Untersuchung" des Beschusses zu. Ein paar Stunden später untersagte die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft Medien allerdings unter Strafandrohung die Veröffentlichung von Informationen über den Vorfall, wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete.

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