Flugzeugabsturz Sinai | Bildquelle: AFP

Flugzeugunglück in Ägypten Flüge aus Sharm El-Sheikh ausgesetzt

Stand: 04.11.2015 22:07 Uhr

Nach dem Absturz des russischen Flugzeugs über dem Sinai setzen Großbritannien und Irland alle Flüge vom ägyptischen Sharm El-Sheikhh aus. Eine Bombe als Ursache könne nicht ausgeschlossen werden. CNN berichtete, Geheimdienste gingen von einem Bombenanschlag aus.

Die Suche nach der Ursache für den Absturz einer russischen Passagiermaschine über dem ägyptischen Sinai dauert an. Da derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Explosion eines Sprengsatzes zum Absturz führte, setzt Großbritannien die Flüge vom ägyptischen Badeort Sharm El-Sheikh aus. Das erklärte das Amt des britischen Premierministers David Cameron, der am Abend eine Dringlichkeitssitzung mit dem Kabinett abhielt.

"Wir betonen, dass es eine Vorsichtsmaßnahme ist", hieß es in der Mitteilung und weiter: "Aber nachdem mehr Informationen zutage gekommen sind, machen wir uns Sorgen, dass das Flugzeug durchaus durch einen Sprengkörper zum Absturz gebracht worden sein kann."

Außenminister Philip Hammond sprach in diesem Zusammenhang von einer "signifikanten Möglichkeit". Er sprach eine Reisewarnung für Sharm El-Sheikh aus. Es würden vorerst keine Flüge von Großbritannien in die Region starten. Mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al Sisi habe der Premier darüber gesprochen, strengste Sicherheitsmaßnahmen in Sharm el-Sheikh in Kraft zu setzen, teilte Verkehrsminister Patrick McLoughlin mit.

Irland schloss sich der Maßnahme an. Irische Fluggesellschaften hätten entsprechende Anweisungen erhalten, teilte die irische Luftfahrtaufsicht (IAA) mit. Auch der Luftraum über der Sinai-Halbinsel solle bis auf weiteres gemieden werden.

Sicherheitskreise vermuteten Bombenanschlag

Der britische Sicherheitsexperte Michael Clarke vom Royal United Services Institute sagte zu den Äußerungen der britischen Regierung: "Das bestätigt den Verdacht, den wir schon am Sonntag hatten. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass in Sharm el-Sheik eine Bombe an Bord platziert wurde, oder ein Selbstmordattentäter. Selbst wenn das letztere der Fall ist, dann ist das auch ein Sicherheitsproblem in Sharm el-Sheikh."

Der US-Fernsehsender CNN zitierte einen US-Vertreter mit der Aussage, die Geheimdienste sähen als wahrscheinlichste Absturzursache eine Bombe der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder eines seiner Verbündeten. Allerdings gebe es noch keine abschließende Bewertung dazu.

IS-Ableger bekennt sich erneut

Bislang gibt es widersprüchliche Angaben zur Absturzursache. Die Fluggesellschaft Kolavia gab an, dass allein eine mechanische Einwirkung auf das Flugzeug als Ursache in Frage komme. Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück bewirken können, so die Fluggesellschaft.

Der IS wiederholte inzwischen seine Behauptung, er habe einen Anschlag auf die Maschine verübt. Die Islamisten hatten sich bereits kurz nach dem Flugzeugunglück am Samstag dazu bekannt. Ägyptische und russische Behörden bestreiten jedoch die Version eines Abschusses. Sie weisen darauf hin, dass der IS auf der Sinai-Halbinsel nicht über Waffen verfüge, um eine in rund 9000 Metern Höhe fliegende Maschine abzuschießen.

Trauer in Sankt Petersburg | Bildquelle: dpa
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Während die Angehörigen trauern, geht die Suche nach der Ursache weiter.

Schwerwiegende Folgen?

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament, Crispin Blunt, wies auf die schwerwiegenden Folgen hin: "Das wird ein weiterer schwerer Schlag für die schon angeschlagene ägyptische Wirtschaft, der überhaupt nicht im britischen Interesse ist. Die andere Frage ist, was die Russen jetzt tun. Ihre Truppen sind bereits in Syrien aktiv, sie könnten sich jetzt stärker auf den IS konzentrieren. Herr Putin ist ja nicht gerade für seine Zurückhaltung bekannt."

Sharm El-Sheikh ist für Russen, aber auch für Briten ein beliebter Urlaubsort.

Trümmerteile der abgestürzten Metrojet-Maschine auf dem Sinai | Bildquelle: dpa
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Trümmerteile der abgestürzten Metrojet-Maschine auf dem Sinai

Flugschreiber beschädigt

Das ägyptische Luftfahrtministerium teilte mit, ein Flugschreiber des Passagierflugzeugs sei beschädigt. Deshalb werde man viel Arbeit investieren müssen, um die Daten auszuwerten. Aus der zweiten Black Box seien die Daten dagegen ausgelesen worden. Weitere Details gab das Ministerium nicht bekannt. Die Geräte sollen dabei helfen, den Hergang eines Flugzeugunglücks zu rekonstruieren.

Nach russischen Angaben ist der Stimmenrekorder schwer beschädigt. Die Zwischenstaatliche Flugkommission sprach von einem "ernsten mechanischen Schaden". Dagegen seien die Informationen vom Datenrekorder des verunglückten Airbus erfolgreich kopiert und an die Ermittler weitergegeben worden, teilte die Aufsichtsbehörde mit.

Der Airbus A321 war am Samstagmorgen kurz nach dem Start von Sharm El-Sheikh am Roten Meer auf dem Weg nach St. Petersburg über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle Insassen, zumeist russische Urlauber, kamen ums Leben. Nach Angaben russischer Ermittler brach die Chartermaschine der russischen Fluggesellschaft Kolavia, die unter dem Namen Metrojet fliegt, in der Luft auseinander.

Mit Material Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London

Briten setzen Flüge ab Sharm El-Sheikh aus
Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London
04.11.2015 22:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 04. November 2015 um 00:00 Uhr.

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