Trauer in St. Petersburg | Bildquelle: AP

Airbus-Absturz auf dem Sinai Angehörige identifizieren Opfer

Stand: 03.11.2015 15:30 Uhr

In Russland haben Angehörige damit begonnen, die Opfer des Absturzes einer Passagiermaschine vom Typ Airbus A321 zu identifizieren. Wie es zu der Katastrophe kam, ist nach wie vor unklar. US-Medien berichten von Satellitenfotos, auf denen ein Hitzeball über dem Sinai zu sehen ist.

In Russland haben Angehörige damit begonnen, die ersten Opfer des Flugzeugabsturzes zu identifizieren. Verwandte gingen heute den ganzen Tag über im städtischen Krematorium in St. Petersburg ein und aus, in dem die überstellten Toten aufbewahrt wurden. Alexej Smirnow vom Katastrophenschutzministerium sagte, dass bis heute 140 Leichen und 100 Leichenteile nach Russland gebracht worden seien. Weitere Sonderflüge sollten folgen.

Bei dem Unglück waren alle 224 Insassen an Bord des Airbus der russischen Gesellschaft Metrojet ums Leben gekommen, fast alle von ihnen russische Urlauber. Das Flugzeug war kurz nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich in großer Flughöhe offenbar auseinandergebrochen und abgestürzt. Warum, ist nach wie vor ein Rätsel.

Warnung vor Spekulationen

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi wandte sich gegen Mutmaßungen, die russische Maschine sei von einem Zweig der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zum Absturz gebracht worden. Wenn "Propaganda" verbreitet werde, dass der Absturz auf den IS zurückgehe, so sei dies "eine Art, die Stabilität und Sicherheit Ägyptens und seinen Ruf zu beschädigen", sagte al-Sisi der BBC. Er vertrat die Ansicht, es werde "lange dauern, diesen Zwischenfall aufzuklären".

Bei dem Absturz waren nach Informationen der Agentur Interfax an Bord ungewöhnliche Geräusche aufgezeichnet worden. Dabei berief sich die Agentur auf informierte Kreise in Kairo. Vor dem Moment des Verschwindens der Maschine von den Radarschirmen seien Geräusche aufgezeichnet worden, "die nicht charakteristisch sind für einen normalen Flug", zitierte die Agentur den Gesprächspartner. Kurz vorher habe es noch die normalen Gespräche zwischen Piloten und Lotsen gegeben ohne einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten.

Hitzeball auf Satellitenbildern

Die Rumpfteile auf der Sinai-Halbinsel weisen russischen Angaben zufolge keine Beschädigung von außen auf. Auch US-Sicherheitsexperten hatten nach der Analyse von Satellitenfotos Medienberichten zufolge ausgeschlossen, dass die Maschine abgeschossen worden sein könnte.

US-Satelliten verzeichneten Medienberichten zufolge zum Zeitpunkt des Absturzes einen Hitzeball über dem Sinai. Ein US-Beamter erklärte laut Nachrichtenagentur AP, es gebe keine Hinweise darauf, dass eine Rakete das Flugzeug getroffen habe. Die Infrarot-Aktivität könne unter anderem darauf hindeuten, dass ein Triebwerk des Flugzeug wegen einer Fehlfunktion explodiert sei. Auch eine Bombenexplosion sei denkbar.

Ursachenforschung nach Flugzeugabsturz
tagesthemen 22:15 Uhr, 02.11.2015, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Die abgestürzte Maschine wurde von der kleinen russischen Fluggesellschaft Kogalymawia - international auch unter dem Namen Kolavia bekannt - betrieben. Das 1993 gegründete Unternehmen führt seine Flüge seit 2012 unter dem Namen der zunächst gemeinsam mit dem russischen TUI-Ableger gegründeten Charter-Tochtergesellschaft Metrojet durch und operiert seit 2014 alleine unter diesem Markennamen.

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