Flugzeugabsturz in der Türkei | Bildquelle: dpa

Zwischenfall an türkisch-syrischer Grenze NATO-Treffen nach Abschuss von russischem Jet

Stand: 24.11.2015 14:03 Uhr

Der Abschuss eines russischen Jets durch die türkische Luftwaffe beschäftigt nun auch die NATO. Am Nachmittag findet ein Sondertreffen statt. Unterdessen klären sich die Hintergründe der Auseinandersetzung: Dabei scheinen die Turkmenen eine wichtige Rolle zu spielen.

Der NATO-Rat kommt nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets an der türkisch-syrischen Grenze zu einer Sondersitzung zusammen. Das Treffen in Brüssel findet auf Antrag der türkischen Regierung statt. Bei den ab 17 Uhr stattfindenden Gesprächen will die Türkei die Verbündeten über den Vorfall informieren.

Kai Kuestner @KuestnerK
#Türkei beruft sich nicht auf Artikel 4 #NATO - Vertrag. Will NATO-Sondersitzung um 17 Uhr offenbar nicht zu sehr symbolisch aufladen.

Das Treffen deutet jedoch nicht darauf hin, dass die Militär-Allianz anschließend aktiv wird und mit Truppen oder Waffen ihrem Partner zur Seite springt.

Ein NATO-Sprecher erklärte, es handele sich nicht um Konsultationen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrages. Nach diesem konsultieren sich die Bündnismitglieder, "wenn nach Auffassung eines von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist".

Russisches Militärflugzeug im syrischen Grenzgebiet abgeschossen
tagesschau24 11:15 Uhr, 24.11.2015, Yannick Christmann, ARD-aktuell

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Abschuss, um Souveränität zu verteidigen

Die Türkei hatte zuvor mitgeteilt, ein russisches Kampfflugzeug sei nach Verletzung des türkischen Luftraums über der Stadt Yayladagi abgeschossen worden. Zuvor habe das Militär die Piloten insgesamt zehn Mal in einer Zeitspanne von fünf Minuten gewarnt. Mit dem anschließenden Abschuss habe man die türkische Souveränität verteidigt, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Es habe sich aber nicht um eine Handlung gegen einen bestimmten Staat gehandelt.

Die russische Regierung erklärte dagegen, der Kampfjet sei nur über Syrien im Einsatz gewesen. Die beiden Piloten hätten sich mit dem Schleudersitz aus der Su-24 herauskatapultieren können.

Einer der beiden Piloten offenbar tot

Laut einer syrischen Rebellengruppe ist einer der beiden russischen Piloten inzwischen tot. Die Gruppe mit dem Namen "Zehnte Brigade" verbreitete über das Internet ein Video, das den Leichnam zeigen soll. Zu sehen ist eine leblose Person in Uniform. Dazu heißt es, sie sei "durch die Hände von Rebellen" umgekommen. Die Angaben konnten bislang nicht überprüft werden. Über den Verbleib des zweiten Piloten wurde nichts bekannt.

Die türkische Armee hat Radar-Bilder veröffentlicht, die angeblich belegen sollen, dass der russische Kampfjet tatsächlich türkisches Gebiet überflogen hat.

Martin Weiss, ARD Istanbul, und Birgit Virnich, ARD Moskau, zum Flugzeug-Abschuss
tagesschau 14:00 Uhr, 24.11.2015

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Streit um Angriffe gegen Turkmenen

Die Türkei protestiert schon seit längerem gegen das Vorgehen der russischen Luftwaffe in Syrien. Erst gestern hatte Davutoglu den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angerufen, weil die russische Luftwaffe auch die türkisch-stämmige Minderheit in Syrien, die Volksgruppe der Turkmenen, angreife, so Davutoglu: "Unter dem Vorwand, Operationen gegen den IS vorzunehmen, dürfen nicht unschuldige syrische oder turkmenische Bürger getötet werden."

Flugzeugabsturz bei Yayladagi in der Türkei.
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Der russische Jet wurde in der Nähe des Ortes Yayladagi abgeschossen.

Wegen der Angriffe gegen turkmenische Dörfer hatte die türkische Regierung bereits am vergangenen Freitag den russischen Botschafter einbestellt. Die russische Luftwaffe operierte aber weiter im turkmenischen Siedlungsgebiet direkt an der syrisch-türkischen Grenze, offenbar mit dem Ziel, dieses Gebiet wieder unter die Kontrolle des syrischen Diktators Bashar al-Assad zu bringen.

Das aber widerspricht vollkommen den türkischen Interessen. Die türkische Regierung fordert, Assad müsse so schnell wie möglich gestürzt werden, und sie sieht sich zudem als Schutzmacht für die Minderheit der Turkmenen. Deshalb hatte Ministerpräsident Davutoglu erst gestern erneut gewarnt: "Unsere Streitkräfte haben strikte Anweisungen erhalten: Sofern eine für die Türkei bedrohliche Situation entsteht, werden unsere Streitkräfte unverzüglich eingreifen."

Mit Informationen der ARD-Korrespondenten Thomas Bormann und Kai Küstner.

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