Salah Abdeslam  | Bildquelle: dpa

Mutmaßlicher Paris-Attentäter Abdeslam in Belgien vor Gericht

Stand: 05.02.2018 02:57 Uhr

Mit Salah Abdeslam steht zum ersten Mal ein Hauptverdächtiger für die Anschläge in Brüssel und Paris vor Gericht. Der Franzose muss sich jedoch zunächst wegen einer Schießerei verantworten.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Fast zwei Jahre sind die Terroranschläge in Brüssel nun schon her. Jetzt steht zum ersten Mal ein Hauptverdächtiger der Terrorzelle in Belgien vor Gericht. Der 28-jährige Franzose Salah Abdeslam, der im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufgewachsen ist, muss sich von heute an wegen einer Schießerei mit der Polizei kurz vor seiner Festnahme im März 2016 verantworten.

In mehrere Attentate verwickelt

Salah Abdeslam gilt als der einzig überlebende Attentäter der Pariser Anschläge, bei denen Mitte November 2015 130 Menschen ermordet wurden. Darüber hinaus soll er an der Vorbereitung der Anschläge in der Brüsseler Metro und am Flughafen im März 2016 beteiligt gewesen sein. Damals wurden 32 Menschen getötet. Kurz vor den Attentaten in der belgischen Hauptstadt wurde Abdeslam im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst - nach monatelanger Fahndung.

Löste Festnahme neue Anschläge aus?

Durch die Festnahme Abdeslams gerieten seine Komplizen in Panik, meinte der Chefankläger Fréderique van Looy. Die Terroristen sahen sich offenbar in die Enge getrieben. Das war der Auslöser für die Brüsseler Terroranschläge.

Beim heutigen Prozessauftakt geht es allerdings nicht um die Attentate in Brüssel. Dieser Prozess wird wohl erst in etwa zwei Jahren beginnen. Es geht zunächst um eine Schießerei, die etwa eine Woche vor den Brüsseler Terroranschlägen stattgefunden hatte. Mitte März 2016 wollten Polizisten eine Wohnung im Stadtteil Forst durchsuchen, wurden jedoch von dort beschossen.

Bei der stundenlangen Schießerei wurden drei Polizisten verletzt. Ein mutmaßlicher Terrorist wurde erschossen. Zwei weitere Verdächtige konnten damals fliehen. Die Staatsanwaltschaft ist der Meinung: Das waren Abdeslam und sein Komplize. Beide sind nun angeklagt. Ihnen werden versuchter Mord, Waffenbesitz und terroristische Aktivitäten vorgeworfen. Dafür könnten sie mit bis zu 40 Jahren Haft bestraft werden.

Eine Frau mit Sturmhaube steht auf einer Straße. Im Hintergrund Panzerwagen.
galerie

Die belgische Polizei führte eine Razzia in der Nähe eines Hotels im französisch-belgischen Grenzgebiet durch.

Untersuchungshaft in Frankreich

Abdeslam sitzt seit 2016 in einem Gefängnis bei Paris in Untersuchungshaft. Für die Zeit des Prozesses wird er nach Nordfrankreich verlegt: in ein Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Lille. Der mutmaßliche Topterrorist solle von dort aus jeden Tag zum Justizpalast nach Brüssel gebracht werden. Eine Strecke beträgt gut 140 Kilometer. Abdeslam soll entweder per Hubschrauber oder Autokonvoi transportiert werden. Das Brüsseler Gerichtsgebäude wird weiträumig abgeriegelt und schwer gesichert von Polizisten und Soldaten - ein hoher Aufwand, der einiges an Geld kosten dürfte.

Abdeslam gilt als Mitglied der Terrorzelle, die für die Anschläge von Paris und Brüssel verantwortlich sein soll. Von dem Prozess erhoffen sich viele, dass Abdeslam endlich spricht und Einzelheiten zu der Schießerei und den Terroranschlägen preisgibt. Bislang hat er zu allen Vorwürfen geschwiegen.

Abdeslam kehrt zurück - mutmaßlicher Topterrorist vor Gericht in Brüssel
Karin Bensch, ARD Brüssel
04.02.2018 16:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Februar 2018 um 06:08 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: