Palästinenserpräsident Mahmud Abbas | Bildquelle: AFP

Konflikt um Tempelberg Abbas friert Beziehungen zu Israel ein

Stand: 21.07.2017 22:30 Uhr

Im Konflikt um den Jerusalemer Tempelberg haben die Palästinenser sämtliche Kontakte zu Israel abgebrochen. Hintergrund sind die verschärften Kontrollen beim Zugang zum Tempelberg. Bei Gewaltausbrüchen in Jerusalem und dem Westjordanland wurden sechs Menschen getötet.

Wegen der strengeren Sicherheitsvorkehrungen am Jerusalemer Tempelberg hat die Palästinensische Autonomiebehörde die diplomatischen Beziehungen zu Israel eingefroren. Das teilte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach einem Krisentreffen mit seiner Regierung am Abend mit. Der Abbruch der Kontakte gelte solange, bis die "Besatzungsmacht" Israel die Maßnahmen aufhebe, so Abbas.

Anlass ist ein Streit über Metalldeketoren, die Israel nach einem tödlichen Anschlag am Tempelberg in der vergangenen Woche an den Eingängen zu Jerusalems Altstadt aufgestellt hatte. Aus Furcht vor neuer Gewalt war zudem muslimischen Männern unter 50 Jahren der Zugang zum Tempelberg für das Freitagsgebet untersagt worden. Bewohner durften die Altstadt nur betreten, wenn sie ihre Papiere vorzeigten.

Palästinenser beten am Rande der Altstadt von Jerusalem. Der Zugang zum Tempelberg ist ihnen versperrt. | Bildquelle: dpa
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Palästinenser beten am Rande der Altstadt von Jerusalem. Der Zugang zum Tempelberg ist ihnen versperrt.

Zusammenstöße nach Freitagsgebet

Aus Protest gegen die rigiden Sicherheitskontrollen hatten sich Tausende Muslime auf der Straße zum Freitagsgebet versammelt. Danach war es zu schweren Zusammenstöße zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Drei Palästinenser wurden dabei getötet. Bei einer Messerattacke im Westjordanland wurden drei israelische Siedler von einem palästinensischen Angreifer getötet. Insgesamt gab es bei Gewaltausbrüchen 400 Verletzte.

Der Tempelberg ist Muslimen und Juden heilig. Zum Freitagsgebet versammeln sich dort üblicherweise Tausende Muslime. Nachdem es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Zusammenstößen gekommen war, waren heute Tausende israelische Polizisten im Einsatz und Bataillone der Armee in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Der Tempelberg in Jerusalem

Der Tempelberg liegt am Rand der Altstadt von Jerusalem und gilt Juden und Muslimen, aber auch Christen als bedeutendes Heiligtum. An der Stelle, an der heute der Felsendom steht, soll Abraham, beziehungsweise Ibrahim - Stammvater der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen - von Gott den Auftrag bekommen haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Dadurch wollte Abraham seine Gottesfurcht beweisen. Gott verhinderte dies der Überlieferung zufolge jedoch in letzter Minute und gab sich mit einem Lammopfer zufrieden.

Darüber hinaus ritt nach islamischer Überlieferung der Prophet Mohammed von dieser Stelle aus mit seinem Pferd in den Himmel. Im Jahr 687 (christlicher Zeitrechnung) wurde dort mit dem Bau des Felsendoms begonnen. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee und der Kaaba in Mekka zählt er zu den drei wichtigsten Heiligtümern des Islam.

Auch für Juden ist der Ort das wichtigste Heiligtum, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der erste Tempel von König Salomon soll im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden sein. Der zweite wurde in der Zeit von König Herodes erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. Juli 2017 um 21:35 Uhr.

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