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25 Jahre Hamas
Radikale Islamisten voller Selbstvertrauen
Die radikal-islamische Hamas existiert seit 25 Jahren: Ihre aktuelle Stärke will die Bewegung nutzen, um politisch an Bedeutung zu gewinnen. Als neuer starker Mann gilt Exilchef Maschaal, der nächster Palästinenserpräsident werden soll. Für den Westen wäre das eine fatale Entwicklung.
Von Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Sprechchöre für Chaled Maschaal bei der Großdemonstration zum 25-jährigen Bestehen der radikal-islamischen Hamas-Bewegung: Bei seinem seit Jahrzehnten ersten Besuch in einem Teil der palästinensischen Gebiete wurde der im Exil lebende Hamas-Führer im Gaza-Streifen frenetisch gefeiert. Maschaal gilt als Befürworter eines stabilen Waffenstillstands mit Israel.
Neue politische Linie von Hamas
T. Aßmann, ARD Tel Aviv
14.12.2012 00:38 Uhr
Distanz zu Iran und Syrien, Nähe zu Ägypten und Tunesien
Auf der Bühne in Gaza war davon aber nichts zu hören: Der Hamas-Führer sprach Israel das Existenzrecht ab - wieder einmal. "Palästina ist unser. Vom Jordan bis zum Meer und vom Norden bis in den Süden ist es unser Land, unser Recht und unsere Nation. Wir verzichten auf keinen Zentimeter", sagte Maschaal.
Im Café des Mashtal-Hotels in Gaza herrscht derweil reger Betrieb. An den Tischen werden eifrig Geschäfte getätigt, teils kann man sogar sehen, wie Dollarscheine offen über die Tische geschoben werden. Straßenbau, Stromleitungen, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung - der Infrastrukturbedarf im Gaza-Streifen ist riesig.
Die Gäste, die hier Geschäfte machen, kommen überwiegend aus Golf-Staaten wie Saudi-Arabien und Katar und aus Ländern des arabischen Frühlings wie Ägypten und Tunesien.
Das geschäftige Treiben im Hotel sei Ausdruck der neuen politischen Ausrichtung von Hamas, sagt der palästinensische Polit-Analyst und Zeitungskolumnist Talal Okal. Hamas halte Distanz zu den alten Verbündeten Iran und Syrien. "Vor dem arabischen Frühling gab es für Hamas keine Alternative zu diesem Lager. Aber nach dem Erfolg von Mohammed Mursi und den Muslimbrüdern in Ägypten konzentrieren sie sich jetzt vor allem auf die Beziehungen mit Ägypten", sagt Okal.
Bewaffneter Kampf und Versöhnung
Einer der Vordenker dieses Kurses ist Ghazi Hamad, eine einflussreiche Führungsfigur innerhalb von Hamas. Er rät dazu, die martialische Rhetorik Maschaals auf der Großdemonstration nicht überzubewerten.
Man setze weiter auch auf den bewaffneten Kampf, sagt Hamad. Die Hamas müsse ihre aktuelle Stärke aber auch nutzen, um auf der politischen Bühne an Bedeutung zu gewinnen: "Wir haben keine Alternative. Wir wollen keinen Staat in Gaza. Gaza ist Teil unserer Heimat, genau wie das Westjordanland, Jerusalem und andere Orte in Palästina. Unsere Priorität ist jetzt die Versöhnung. Das ist die Strategie von Hamas."
Hamas will Versöhnung mit Fatah und baldige Wahlen in Gaza
Die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Abbas und baldige Wahlen in Gaza und dem Westjordanland sind die derzeit wichtigsten Ziele von Hamas. Mit einem erdrutschartigen Sieg rechnet zwar auch die Bewegung selbst nicht. Aber sie hofft auf ein so gutes Ergebnis, dass danach auch der Weg für Maschaal an die Spitze der palästinensischen Autonomiebehörde bereitet sein könnte.
Der amtierende Präsident Abbas habe es versäumt, einen aussichtsreichen Kandidaten in der Fatah aufzubauen, sagt der Analyst Okal. Der nächste palästinensische Präsident werde Maschaal heißen. "Es ist seine Vision und er präsentiert sich als ein starker nationaler Führer. Ich denke, die Zukunft gehört Maschaal. Es gibt keinen Kandidaten von der Fatah", sagt Okal.
Für den Westen wäre das eine fatale Entwicklung. Bisher war Hamas kein politischer Partner. Mit Chaled Maschaal an der Spitze der Autonomiebehörde müsste diese Haltung wohl auf den Prüfstand.
Stand: 14.12.2012 02:34 Uhr
